Ein Winter in Les Sables d’Olonne

Ein Winter in Les Sables d’Olonne

Unsere Zeit in Les Sables d’Olonne ist nun vorbei. Es war eine schöne Zeit mit neuen Freunden, tollen Erlebnissen und viel Arbeit am Boot.
Alles ist wieder Seeklar verstaut, das neue Großsegel ist einsatzbereit, wir haben alle Briefe und Pakete bekommen, auf die wir in den letzten Wochen noch gewartet haben. TamTam ist jetzt startklar und wir auch.

Heiligabend am Strand

In den letzten Monaten ist bei uns viel los gewesen. Nicht zuletzt haben wir sehr viel gearbeitet – es kamen diesen Winter wirklich eine Menge Aufträge rein. Im Winter ist immer mehr los, als im Sommer, aber dieses Jahr war es wirklich viel. Das kam natürlich unserer Reisekasse zugute und so hatten wir keine Langeweile unter Deck, als es draußen mal kalt und nass war – eher im Gegenteil, es ist schon schade, unter Deck zu bleiben, wenn die Sonne scheint und man viel lieber am Strand wäre – aber das geht einem im normalen Büroalltag ja schließlich nicht anders. Langsam glätten sich die Wogen wieder etwas und wir können ganz entspannt in den Segelsommer starten.

Ein winterlicher Sonnenuntergang an unserem Liegeplatz

Trotz der vielen Arbeit hatten wir aber auch noch Zeit für anderes, zum Beispiel die tolle Umgebung von Les Sables d’Olonne und viele lustige Stunden mit unseren tollen Stegnachbarn.
Kennengelernt haben wir sie an Weihnachten. Heiligabend hatten wir tagsüber am Strand genossen, ohne Wind in der Sonne war sogar T-Shirtwetter. Abends wollten wir eigendlich gemütlich kochen und ein paar Geschenke auspacken. Aber da klopfte es plötzlich an der Bordwand und unsere Nachbarn von schräg gegenüber luden uns spontan zum Essen ein. Da sagt man ja nicht nein, wenn in Frankreich gekocht wird, dann wird es immer sehr lecker.

Weihnachtsmarkt im Stadtteil La Chaume

Sechs Stunden und fünf Gänge später schwankten wir etwas beschwipst, aber glücklich wieder zurück zu uns an Bord. So nette Nachbarn und dass, obwohl wir uns nur schwer verständigen konnten. Wir sprechen zwar etwas Französisch, aber wenn es dann darum geht, wirklich tiefsinnige Gespräche zu führen, ist es doch etwas mühsam.  Englisch, was wir recht gut beherrschen, war leider für unsere Gastgeber genauso schwierig, wie für uns Französisch – macht nichts, wir haben uns trotzdem, oder gerade deswegen, den ganzen Abend lang gut unterhalten eine Menge erfahren und noch mehr gelacht. Seitdem trafen wir uns öfter auf ein Getränk im Cockpit oder zum Essen, Bowlen gehen oder einer Rundfahrt durch die Umgebung. Hier am Steg leben einige Liveaboards, alles Franzosen – sehr gut für unsere Sprachkenntnisse😊 Internationales Publikum ist hier nicht so häufig, wie zum Beispiel in Cherbourg oder Camaret sur Mer. Nur wenn mal wieder ein Event, wie zum Beispiel die Ankunft der GoldenGlobe-Teilnehmer anstand, wurde das Publikum gemischter.

Les Sables ist eine Regattastadt. Viele große Regatten, wie z.B. die Vendeé Globe starten hier. An der Mole gibt es eine Reihe von kleinen Plaketten, die die jeweilige Ankunftszeit der Vendeé Globe Teilnehmer markieren. An der Strandpromenade gibt es sogar einen Walk of Fame der Gewinner, fast wie in Hollywood- nur eben mit Seglern, statt Schauspielern.

Walk of Fame

Während wir hier den Winter verbracht haben, sind nach und nach die Gewinner des Golden Globe Race eingetrudelt. Für uns ist es eine ganz besondere Regatta, weil es keine modernen Racer sind, mit denen nonstop und Einhand die Welt umsegelt wurde, sondern sowohl Boote als auch Navigationstechnik auf dem Stand von vor 50 Jahren sein müssen. Das heißt zum Beispiel, dass ohne GPS sondern mit dem Sextanten navigiert werden muss. Kontakt zur Aussenwelt ist nur einmal pro Woche erlaubt, Wetterinfos gibt es so gut wie keine. Jedes Mal, wenn einer dieser Helden hier eingetroffen ist, gab es einen großen Empfang mit verschiedenen Booten und hunderten von Menschen an der Mole – ein ganz einmaliges Erlebnis. Jetzt wo der letzte aktive Teilnehmer Tapio Lethinen angekommen ist und es nochmal einen Wahnsinnsempfang gab, wird es für uns auch Zeit weiterzuziehen.

Die Ankunft des Siegers Jean Luc van den Heede

Wie immer fällt es schwer die Leinen zu lösen und sich von den liebgewonnen Freunde zu verabschieden. Aber uns wurde mehrfach versichert, dass wir jederzeit Willkommen sind und spätestens zum Start des Vendee Globe Race wiederkommen sollen um gemeinsam das nächste Riesenspektakel zu feiern 🙂

Mehr zu unserer Zeit in diesem schönen Ort gibt es in den Bildunterschriften in der Galerie:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.