Die französische Biskayaküste

Die französische Biskayaküste

TamTam an der Mooring in Audierne

Tja, wie fängt man an, wenn man so lange nichts mehr geschrieben, aber so viel erlebt hat?
Wir sind gerade in Les Sables d´Olonne, einem sehr geschichtsträchtigen Ort für Segler. Ist doch letztes Jahr das Golden Globe Race hier gestartet. Gerade sind die ersten Teilnehmer mit einem großen Empfang wieder angekommen, ein tolles Erlebnis, live dabei zu sein. Auch das Vendée Globe Race hat hier seinen Ursprung und findet alle 4 Jahre statt.
Wer unseren Blog regelmäßig verfolgt, wundert sich vielleicht warum wir noch in Frankreich sind? Wie den meisten Langfahrtseglern, ergeht es auch uns. Pläne und Ideen ändern sich, das Wetter verhält sich nicht wie gewünscht, die Arbeit beansprucht mehr Zeit als gedacht und unvorhergesehene Reparaturen müssen erledigt werden. Nicht zuletzt merken wir aber auch immer wieder, wie gerne wir eigentlich hier in Frankreich sind. Die meist liebenswerten und gastfreundlichen Menschen, ihre Liebe zum Wassersport und die tolle Landschaft an den Küsten haben es uns einfach angetan. 

Felsen bei Camaret sur Mer

In Camaret sur Mer sah es erst mal nicht danach aus, als wenn sich ein gutes Wetterfenster für die etwa 350 Meilen nach La Coruna  ergibt, also beschlossen wir, weiter die französische Küste zu erkunden. Von den meisten Seglern wird sie ausgelassen, da man die Biskaya endlich hinter sich wissen will – auch verständlich.
Wir waren aber mittlerweile wirklich neugierig auf die schönen Orte entlang der Südbretagne, den Pays de la Loire und letztendlich auch auf die langen Sandstrände in Vendée. Das Segeln selbst ist nach etwa 900 Meilen im englischen Kanal verhältnismäßig entspannt. Die meisten Häfen und Ankerbuchten liegen selten weiter als 30 Meilen auseinander und sind auch bei kleinen Wetterfenstern gut zu erreichen. Die Strömung ist ab dem Point du Raz fast zu vernachlässigen, ist sie doch selten stärker als ein Knoten.

Point du Raz

Der Point du Raz liegt etwa 20 Meilen südwestlich von Camaret sur Mer und ist wegen seiner starken Strömung, den steilen Wellen und Overfalls navigatorisch recht anspruchsvoll. Irgendwo haben wir gelesen, dass er auch das Kap Hoorn Europas genannt wird – nun ja, das ist schon stark übertrieben und kommt wahrscheinlich aus der Zeit, in der die Wetterberichte noch nicht die Qualität von heute hatten. Wenn man gute Bedingungen abwartet und das Timing stimmt, ist der Point du Raz nicht spannender als der Chenal du Four oder das Alderney Race.

Camaret sur mer – Audierne

Es fiel uns natürlich schwer, Camaret sur Mer zu verlassen. Aber als das Wetter einigermaßen passte ging es los. Zusammen mit der Irma segelten wir (leider mit Motorunterstützung) zum Pointe du Raz – wie gesagt, das Timing muss passen. Die Sicht wurde immer schlechter, was zur Folge hatte, dass wir leider nicht viel von den Klippen und Leuchttürmen zu sehen bekamen, die rund um den Point du Raz verteilt sind. Nach ein paar Strudeln und Strömungen aus verschiedenen Richtungen, war der Spuk auch schon vorbei und wir hatten die letzte schwierige Passage hinter uns. Als wenn es ein Zeichen sollte, hörte es auf zu regnen, es klarte auf und ein Regenbogen kam zum Vorschein.

Point du Raz liegt hinter uns, ab jetzt wird das Segeln wieder leichter.

Auf einmal war alles anders. Ab hier muss man sich nicht mehr sklavisch nach den Gezeiten richten. Also Motor aus und mit entspannten 3 Bft weiter nach Audierne segeln. Der einzige Plan war, noch bei Tageslicht anzukommen. Schon weit vor der Hafeneinfahrt brach sich der meterhohe Schwell an den Untiefen. Ein tolles Schauspiel, das unser Surferherz höher schlagen ließ 🙂

Hoher Schwell an der Hafeneinfahrt nach Audierne

Am nächsten Tag sollte es gleich weiter gehen, also legten wir uns an eine Mooring direkt hinter dem Wellenbrecher. Trotz des hohen Schwells lagen wir anfangs erstaunlich ruhig. Das änderte sich leider spätabends, als der Wind abschwächte und der Schwell ungehindert um die Mole herum durch das Mooringfeld ging. Es war ein elendes Geschaukel, die Gläser rutschten über den Tisch und zum kochen mussten wir die Kardanik vom Ofen aktivieren. Gut geschlafen hat natürlich keiner, also ging es leicht übermüdet morgens weiter nach Concarneau.

Audierne – Concarneau

Der Schwell hat sich über Nacht nicht gelegt, im Gegenteil: er war noch höher. Dafür gab es absolute Flaute und so motorten wir wir entlang der felsigen Küste und versuchten die beeindruckenden Brandungswellen mit der Kamera einzufangen – gar nicht mal so einfach bei den Bedingungen.
Das spannende an Konvoifahrten (in diesem Fall wieder mit der Irma) bei so hohem Schwell ist das beliebte Spiel: Irma da…Irma weg…Irma wieder da… usw… teilweise war sogar nicht mehr die Mastspitze zu sehen.

Die Irma im Schwell

Gerade als die bekannten Glénan-Inseln querab waren, entdeckten wir eine Gruppe Racer, die bei dem herrschenden Schwachwind mit teilweise 12 Knoten an uns vorbeizogen. Plötzlich fiel es uns wieder ein: Boris Herrmann mit der “Malizia” sowie weitere IMOCA bereiten sich auf den Start der Route du Rhum vor und trainieren vor Concarneau. Der Start sollte ein paar Tage später in St. Malo sein. Ein tolles Schauspiel, diese Ungetüme so nah erleben zu können 🙂

Boris Hermann mit seiner Malizia

Concarneau ist unter anderem bekannt durch die Bretagne Krimis von Jean-Luc Bannalec, z.B. “Bretonische Brandung”. So schlenderten wir durch den Ort und erkannten tatsächlich einige Schauplätze wieder, die in den Büchern ein Rolle spielen. Auf dem Wochenmarkt konnten wir uns mit frischem Obst und Gemüse eindecken und auch sonst die gute Infrastruktur ausgiebig nutzen.

Der Wochenmarkt vor dem bekannten Café L’Amiral aus den Bretagne-Krimis

Doch irgendwann konnten wir uns losreißen, das Wetter war perfekt und es sollte weiter nach Lorient, bzw. Port Louis gehen. Der Motor lief schon und wir wollten gerade ablegen, da quitierte unser AIS den Dienst. Es machte keinen Mucks mehr. Wir kontrollierten alle Kabelverbindungen, aber es war nichts zu machen. Da wir über das AIS auch unseren Standort auf das IPad mit unserer Navigationssoftware senden, war dies schon sehr ärgerlich. In Gedanken hatten wir schon die Reisekasse geplündert, um ein neues Gerät zu kaufen. Zum Glück konnte uns der örtliche Yachtausrüster aber  spontan und selbstlos weiterhelfen. Da unser AIS  noch Garantie hatte, rief er beim Hersteller an und machte sich am Montag drauf (es war Freitag) mit unserem AIS im Gepäck auf den Weg nach Quimper – dort sitzt nämlich der Hersteller, etwa 15 Kilometer entfernt … ein Wahnsinnszufall! Das Gerät wurde ausgetauscht und wir haben jetzt wieder volle zwei Jahre Garantie. Der nette Yachtausrüster wollte nichts für seinen Zeitaufwand und seine wunderbare Hilfe. Also hat sich Birte spontan eine neue Ölzeugjacke gekauft, auf die es dann auch noch 30% Rabatt gab! Selten haben wir so nette Menschen kennengelernt.
In der Zwischenzeit hatten sich Johanna und Norman mit ihrer Irma auf den direkten Weg nach Spanien gemacht und wir segelten weiter nach Lorient …

Mehr aus unserer Zeit an der Küste der Biskaya werden wir hier nach und nach weiter aufholen. Langsam lassen uns die Arbeit für die Reisekasse und die Arbeiten am Boot wieder etwas Luft zum Bloggen 🙂

5 Replies to “Die französische Biskayaküste”

    1. Danke 🙂 Die Bilder sind allerdings von Mitte/Ende Oktober im letzten Jahr, wir holen gerade den Rückstand im Blog etwas auf …
      Liebe Grüße nach Bremen!

  1. Ahoi ihr beiden,
    endlich mal wieder ein toller Bericht 👍.
    Wir haben auch lange genug warten müssen und dachten schon, ihr würdet nur noch bei der Datenkrake posten🙁. Aber so macht das virtuelle Mittsegel weithin spaß 👏.
    LG Rike+Robert

  2. Moin von der Ostsee,
    vielen Dank für euren Bericht. Ich sammele gerade viele Daten für den Weg von Fehmarn nach Portugal. Dieses Projekt soll Mitte Mai starten. Noch sind einige Arbeiten am Boot zu erledigen. In den letzen Monaten habe ich mir aus Blogs und sonstigen Quellen schon einen umfangreichen Törnführer angelegt. Eure Berichte werde ich dort auch einfließen lassen. Noch bin ich mir nicht sicher, ob ich auch einen Reisebericht ins Netz stellen soll. Vorbereitet ist das schon aber noch nicht “scharf” geschaltet. Habe doch Bedenken, weil ich keine Lust habe mit dem Thema Datenschutz und Urheberrecht in Konflikt zu kommen. Eine private Aufzeichnung ist da eben einfach freier. Auf der anderen Seite ergeben sich vielleicht auch nette Kontakte aus einer öffentlichen Sache. Mal gucken ist ja noch ein bischen Zeit. Werden euren Blog gerne weiter folgen
    Grüße aus Niendorf/Ostsee

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