Los geht´s… mit Hindernissen

Los geht´s… mit Hindernissen

Endlich war es soweit, alles was erledigt werden musste, war erledigt. Wir haben es tatsächlich geschafft alles seefest zu verstauen, die Tanks waren gefüllt, der Bulli verkauft.
Die vielen Abschiede waren schön, aber auch traurig zugleich. Sich für über ein Jahr zu verabschieden, ist nicht leicht. Auch wenn es nicht das erste Mal war – Routine entwickelt man bei sowas nicht.
Bremerhaven GeestemündeSonntagfrüh ging es dann gegen sechs Uhr los. Die Strecke nach Bremerhaven sind wir komplett unter Maschine gelaufen. Kein Wind, aber dafür Nebel – die Weser überrascht immer wieder.
Nach einer kurzen Nacht in der Geestemünde, begann der der nächste Tag für uns schon um vier Uhr in der Früh. Das Tidensegeln erfordert Opfer, auch wenn es weh tut 😉

Das Containerterminal von BremerhavenWieder unter Maschine tuckerten wir am am Containerterminal vorbei und genossen bei leckerem Kaffee den kitschigen Sonnenaufgang und versuchten irgendwie wach zu werden. Ein schwache Brise stellte sich ein und so konnten wir die Segel zur Unterstützung setzen. Gerade als uns ein Containerfrachter überholte, fing der Motor an zu stottern und die Drehzahl sackte ab. Völlig überrascht versuchten wir die Drehzahl zu erhöhen, aber der Motor ging aus.
Ein wirklich blödes Gefühl machte sich in der Magengegend breit, gleichzeitig waren wir aber auch endlich hellwach. Der Wind reichte gerade aus, die Segel zu füllen – so konnten wir uns bei der der starken Strömung immerhin von den Fahrwassertonnen freihalten.
Wir segeln uns vom Fahrwasser und den Flachs frei Nach ein paar Versuchen, sprang der Motor wieder an, die Drehzahl schwankte aber weiterhin sehr. Eine Sichtkontrolle des Motorraums ergab nichts außergewöhnliches. Nach einigem hin- und her beschlossen wir trotzdem, weiterzufahren und Norderney anzulaufen. Gegen den Strom zurück nach Bremerhaven wäre nicht möglich gewesen. Darauf zu warten, dass die Tide kippt kam in der stark befahrenen Außenweser auch nicht in Frage.
Die restliche Zeit hielt sich der Motor tapfer. Die Drehzahl schwankte zwar regelmäßig um etwa 400 U/min, aber wir erreichten Norderney ohne Probleme. Noch vor dem Seegatt, haben wir das Ankergeschirr vorbereitet, sozusagen als Notnagel.
Im Nachhinein war es aber unnötig, wir kamen ohne Probleme im Hafen an. Zum Glück erwischten wir einen der letzten freien Plätze und mussten nicht noch viele Hafenmanöver fahren. Gerade als Birte die Vorleine belegt hatte, ging der Motor aus, der Wind drückte uns den letzten halben Meter sanft ans Nachbarschiff, wo wir die Heckleine belegten – Glück gehabt.

Endlich Norderney erreichtNach dem Gang zum Hafenmeister, kontrollierten wir die beiden Spritfilter um den Motorproblemen auf den Grund zu gehen. Zu unserem erstaunen waren sie aber blitzblank sauber. Wir hatten fest damit gerechnet, dass wir die Dieselpest haben und sie völlig verdreckt sind. Erste Überlegungen, ob vielleicht doch die Einspritzpumpe beschädigt ist, kamen auf. Das könnte richtig teuer werden.
Als letzten Versuch, demontierten wir den den Geber für die Tankanzeige um irgendwie in den Tank schauen zu können. Eine der drei Befestigungsschrauben saß so fest, das sie beim Versuch sie zu lösen abriss – super. Aber endlich konnten wir durch das kleine (etwa 2cm große) Loch in den Tank schauen und sofort war klar: wir haben extreme Dieselpest! Der Tankboden war etwa 5cm hoch komplett mit Algen und Schleim besetzt. Als wir die Zuleitung vom Tank zum Filterhalter lösten, war auch klar warum der Filter selber sauber war. Ein dicker Propfen aus Algen und Schleim hat die Hohlschraube am Gehäuse verstopft. Das der Motor überhaupt noch lief war ein Wunder.
Ein dicker Pfropfen verschließt die Spritzufuhr

Tja, was nun. Der Tank muss gereinigt werden, dass steht fest – nur wie? Wir fragten beim ansässigen Yachtservice, ob sie vielleicht eine Lösung hätten und waren überrascht. Der Mechaniker meinte nur trocken: „Ihr seid diese Woche schon die fünfte Yacht mit Dieselpest, kein Problem wir kriegen das hin“. Sein Geselle kam gleich mit einer großen mobilen Absaugvorrichtung mit, um unseren Diesel abzupumpen. Abends bauten wir den Tank aus um ihn zur Werkstatt zu bringen, wo er dann komplett gereinigt werden sollte. Wir konnten unser Glück kaum fassen, so schnell hatten wir nicht mit einer Lösung gerechnet.
Irgendwann kam der erlösende Anruf von der Werkstatt, unser Tank ist sauber und wir können ihn abholen. Sofort machten wir uns auf den Weg, beglichen die Rechnung und nahmen den Tank in Augenschein… und waren erstaunt, wie dreckig er noch von innen war. „Besser ging es halt nicht“, war die lapidare Antwort auf unseren Einspruch. Jegliche Diskussion war überflüssig, manchmal hat es einfach keinen Sinn.
Die Pleite mit der Werkstatt hakten wir als Lehrgeld ab. Das erste Mal in unserer Segelvita haben wir etwas in fremde Hände gegeben und wurden mal wieder in unserem Motto bestätigt: wenn man es nicht selber macht…! 
Der Tank nach der „professionellen“ Reinigung:
Der Tank nach der "professionellen" Reinigung

Also musste ein Plan B her… und der sah so aus:
Wir bestellen uns vier dieselfeste Inspektionsdeckel, schneiden mit der Stichsäge die passenden Löcher in den Tank und reinigen dann alles per Hand.
Die Inspektionsdeckel wurden zwar per Express verschickt, aber Express und Inseln vertragen sich irgendwie nicht. Also hatten wir genug Zeit, die passenden HSS Sägeblätter für unsere Stichsäge zu besorgen und schonmal die passenden Löcher zu sägen. Gar nicht mal so leicht, da unser Tank aus 3mm Edelstahlblech gefertigt wurde, die Sägeblätter nicht ganz optimal waren und unsere Stichsäge nicht für solche Arbeiten ausgelegt ist. Aber es hat nach vielen Pausen und einer Dose WD40 zum kühlen letztendlich geklappt. Endlich konnten wir das Tankinnere genauer inspizieren, die „professionelle“ Tankreinigung hätten wir uns tatsächlich schenken können, schade ums Geld.  Der Tankboden war immer noch etwa 2cm hoch mit Schleim bedeckt.
Nach unzähligen Küchentüchern, drei Dosen Bremsenreiniger und einigen Stunden Arbeit, war er aber wieder wie neu. Die Inspektionsdeckel kamen nach ein paar Tagen endlich an und wir verklebten sie sofort mit Pantera.
Eklige Sauarbeit Nun stand einer Weiterfahrt nichts mehr im Wege, zumal wir schon genau zwei Wochen auf Norderney waren und seit Tagen Ostwind weht, den wir ungenutzt lassen mussten.

Die ersten Stunden unter Motor horchten wir genau auf den Motorlauf, aber alles war bestens. Er hielt die Drehzahl wie gewohnt. Eine erste Kontrolle im nächsten Hafen ergab, die Inspektionsdeckel sind dicht, der Tank immer noch sauber von innen, es hat sich nicht noch ein irgendwo Stück Schleim/Algen versteckt. Ein gutes Gefühl, aber jetzt immer wieder den Tank von innen inspizieren zu können.
Endlich geht es weiter

Es herrschte immer noch eine schöne Ostwindlage, also nahmen wir uns vor, ordentlich Strecke zu machen um die verlorene Zeit auf Norderney aufzuholen. Außerdem war ein Tief mit ordentlich Wind vorhergesagt, welches wir unbedingt schon in Frankreich abwettern wollten. Also ging es für die erste Testfahrt erst mal von Norderney nach Lauwersoog. Leider kündigten sich einige Gewitter an, also blieben wir zwei Tage.
Gewitter über LauwersoogWeiter ging es dann durch die Nacht etwa 120 Meilen direkt nach Ijmuiden und nach einer Nacht direkt weiter nach Scheveningen. Wieder zogen Gewitter durch, also war ein Hafentag angesagt und wir konnten uns endlich mal wieder mit Proviant eindecken. Das Wetter besserte sich und so stand Belgien auf dem Programm. Mit tollem achterlichen Wind schafften wir die Strecke von 78 in Meilen in ziemlich genau 10 Stunden, einfach schön, wenn die Tide und der Wind einfach mal gut passen. Gegen Abend nahm der Wind auf etwas über 30 Knoten zu, als wir gerade das stark befahrene Fahrwasser vor Zeebrügge queren wollten. Um zwei Frachter passieren zu lassen, beschlossen wir ein kleines Stück parallel zu fahren um hinter den dicken Pötten durchzugehen. Auf diesem Kurs hatten wir halben Wind und TamTam schoss richtig los, mit dem Ergebnis, dass wir schneller waren als die Frachter, sowas hatten wir auch noch nie erlebt 🙂 Also etwas hin- und her gewendet und letztendlich problemlos in Zeebrügge eingelaufen. Frankreich war fast zum greifen nah, also ging es den Tag drauf nach einem kurzen Frühstück gleich weiter nach Dunkerque. Was für ein toller Segeltag! Kein Zeitdruck mehr, halber Wind und viel Sonne. TamTam lief einfach nur traumhaft.
Endlich in Frankreich
Gerade angekommen wurden wir gleich von Johanna und Norman von PureLifeSailing begrüßt. Mit den Beiden stehen wir schon länger in Kontakt. Den letzten Winter über haben wir uns fast täglich geschrieben und zusammen über den Trip nach Portugal sinniert und uns immer wieder gegenseitig motiviert, wenn die Bootsarbeiten wieder länger dauerten als gedacht. Wir haben uns die letzten Tage immer wieder knapp verpasst, jetzt hat es endlich mal geklappt.
Kurze Zeit später gesellten sich noch Janine und Tommy von der Rubicon dazu. Auch wir standen vorher schon in Kontakt und haben sie jetzt eingeholt. Sie hatten uns schon vom Strand aus gesehen und dieses schöne Foto von uns gemacht 🙂
TamTam am Horizont :-)

Für die Strecke von Norderney nach Dunkerque haben wir dieses Jahr genau sieben Tage gebraucht. Wenn das Wetter mitspielt, kein Problem. Für die gleiche Strecke haben wir 2015 über vier Wochen gebraucht, damals gab es eine stabile Westwindlage mit viel Starkwind.

 

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