Endlich in der Bretagne

Endlich in der Bretagne

Drei Wochen waren wir nun in Cherbourg und konnten so einiges am Boot erledigen, Aufträge abwickeln – also Geld verdienen, zum Zahnarzt gehen, ein wichtiges Paket in Empfang nehmen, usw.
Der Alltag unterwegs erfordert manchmal eine temporäre Homebase und somit einen langen Aufenthalt.
Lange Pausen bedeuten meistens auch lange Schläge um wieder Strecke gutzumachen. Gerne hätten wir uns Alderney, St. Malo und die vielen weiteren schönen Orte in der Nordbretagne angeguckt. Die Wetterfenster werden mittlerweile aber immer kürzer und wollen gut genutzt werden.
Beim Ablegen ruft uns der Hafenmeister noch ein fröhliches „Bon Voyage TamTam“ hinterher, während wir noch keinen wirklichen Plan haben wo es eigentlich hingehen soll. Der Wetterbericht verspricht für die nächsten 24 Stunden keinen Starkwind, dafür aber eher wenig Wind. So bereiten wir uns auf eine monotone Fahrt unter Motor vor.

Cherbourg achteraus :-)Es ist gerade Springtide, das heißt, wir haben mehr Strömung als sonst. Mit beeindruckender Fahrt über Grund fahren wir so dicht wie möglich nördlich an Alderney vorbei, um wenigstens einen äußeren Eindruck dieser schönen Insel zu bekommen. Gerne hätten wir uns an hier an die Mooring gehängt und ein paar Tage die Insel erkundet. Aber Wetter ist nun mal Wetter und wir wollen, bzw. müssen weiter. Wir laden nochmal den aktuellen Wetterbericht herunter, so lange wir noch Empfang haben. Allerdings ohne wirklich neue Erkenntnisse. Es soll schwachwindig bleiben, nur ein Vorhersagemodell verspricht 5bft auf der Höhe von Guernsey.

Die Sonne geht unter
Es ist 20 Uhr, die Sonne geht gerade unter und wir sitzen mit der frisch zubereiteten Pizza im Cockpit, als der Wind tatsächlich auffrischt. Für die Nacht binden wir vorsichtshalber ein Reff ins Großsegel und so rauschen wir raumschots mit 6-7 Knoten dahin. Als der Strom kippt und von vorne kommt ändert sich dies allerdings. Bei Strom mit bis 3,5 Knoten gegenan und achterlichem Wind baut sich eine steile Welle auf, die sich immer wieder tosend bricht. Obwohl wir die mittlerweile recht hohen Wellen mit rauschender Bugwelle herunter surfen, machen wir nur noch selten über 4 Knoten Fahrt über Grund – Springtide halt. Es ist schon beeindruckend: es ist weit und breit kein Land in Sicht, aber das Meer verhält sich wie die Elbmündung bei ungemütlichen Bedingungen. Der Vollmond lässt die Schaumkronen selbst in großer Entfernung glitzern – wir genießen dieses tolle Naturschauspiel und keiner mag so recht schlafen gehen, man möchte ja schließlich nichts verpassen 🙂 Trotzdem haben wir später Wachwechsel gemacht und jeder bekommt eine kurze Mütze Schlaf.
Dementsprechend müde sind wir bei Sonnenaufgang. Mittlerweile haben wir Roscoff querab, der Wind hat wieder abgeflaut und wir beschließen, weiter Nach L`aber W´rach zu segeln. Die nächsten Tage soll es wieder mehr Wind geben, bis dahin wollen wir möglichst viel Strecke gemacht haben. Die letzten 30 Meilen versuchen wir, etwas Schlaf nachzuholen und uns in der aufgehenden Sonne aufzuwärmen, die Nächte werden mittlerweile schon recht frisch.

Netter Besuch am Morgen
Als sich dann aber eine Gruppe Delfine zu uns gesellt und in unserer Bugwelle spielt, war an Schlaf nicht mehr zu denken. Immer wieder tauchen sie plötzlich auf und haben großes Interesse an unserem Propeller und der Bugspitze. Teilweise bleiben sie etwa 15 Minuten und lassen sich brav filmen. Leider rächt sich nun der Schlafmangel. Nico bedient den Camcorder falsch und bis auf ein paar Sekunden sind keine Delfine im Kasten – sehr schade.
Die Einfahrt von L'Aber W'rach

Die Einfahrt nach L`aber W´rach ist im Vorfeld mal wieder spannend. Auf der Seekarte sind zahlreiche Untiefen verzeichnet und man kann sich kaum vorstellen, wie man da durch soll. Es gibt verhältnismäßig wenig Fahrwassertonnen, dafür aber umso mehr Felsen. Die Realität sieht aber weit harmloser aus. Zwar ist es beeindruckend, wie sich die meterhohe Atlantikdünung an den Felsen bricht, aber letztendlich ist es halb so schlimm und es verhält sich wie jedes andere Fahrwasser auch 🙂

In L`aber W´rach befindet sich eine große „Jugendsegelherberge“ und es herrscht reges Treiben auf dem Wasser. Es wimmelt geradezu von Hobie Cats, Optis, Kajaks, Surfern und Kitern, die selbst bei Starkwind keine Pause kennen. Es ist beeindruckend, wie groß Wassersport in der Bretagne geschrieben wird und wie selbstverständlich auch schon für Grundschüler der Umgang mit dem Meer ist.

Alle segeln in L'Aber W'rach  :-)
Wir genießen das Treiben, aber es zieht uns weiter, denn wir wollen nach Camaret sur mer. Für uns ein ganz besonderer Ort, schließlich haben wir hier schon mal mit unserer alten TamTam von 2015 bis 2016 überwintert.
Bis auf jede Menge Seegras im Propeller war der Törn nach Camaret recht unspektakulär. Der Chenal du Four zeigte sich von seiner braven Seite. Zwar ließen wir auch hier wieder einige schöne Orte aus, wie z. B. die Ile-Molène, Ouessant und die benachbarten Inseln, aber das Wetter sollte umschlagen und wir wollten weiter nach Camaret.

Hier trafen wir auch Johanna und Norman wieder und die Jungs von der Andiamo. Camaret ist ein bekannter Absprunghafen für die Biskaya, ein Sammelpunkt für Langfahrtsegler und besitzt deshalb ein ganz eigenes Flair.

Wir waren natürlich neugierig, was sich verändert hat, bzw. was nicht und wen wir so treffen würden. Haben wir doch im Winter hier so viele nette Menschen getroffen und anhaltende Freundschaften geschlossen. Wie es sich für einen kleinen bretonischen Ort gehört, hat sich natürlich nicht viel geändert.

Die Fischkutter von Camaret
Wir haben viele bekannte Gesichter getroffen und es gab einige herzliche Wiedersehen. Unser Freund Johan wohnt mittlerweile in Brest, kam aber sofort herübergesegelt, als er erfuhr, dass wir in Camaret sind und so wurden wir mit dem neusten Klatsch und Tratsch versorgt – ein kleines Dorf in der Bretagne halt 🙂
Nun sind wir eine Woche hier und fühlen uns auf Anhieb wieder wie Zuhause.
Es gab warme sonnige Tage, mit langen Spaziergängen und Wanderungen an den Stränden und Klippen, ein Sturmtief mit viel Regen und Kälte ist durchgezogen, wieder gefolgt von sonnigen Tagen – so wie wir Camaret sur mer kennen und lieben!

 

6 Replies to “Endlich in der Bretagne”

  1. Hallo ihr beiden,
    schön, dass wir euch auf dem Törn virtuell begleiten können. Begeistert lesen wir eure Reiseberichte 👏 und beim Betrachten der Fotos wir so manche Erinnerung wach.
    Für euren Törn wünschen wir euch weiterhin Mast- und Schotbruch 👍 und vergesst nicht unseren Lesehunger zu stillen😄.
    Liebe Grüße Rike+Robert

  2. Moin zusammen,
    Grüße aus der Jaich-Marina. Aufgrund unserer Mails von Frühjahr zur Überwinterung Im Jaich, sind wir nun tatsächlich auch hier. Nächstes Jahr gehen auch wir erst einmal etwas in den Süden, bevor es dann wieder etwas nördlicher wird.
    Mal sehen, vielleicht treffen wir uns irgendwo in Frankreich, Spanien oder Portugal mal.

    Liebe Grüße
    Martin & Astrid

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Comment Spam Protection by WP-SpamFree