Die Alabasterküste

Die Alabasterküste

… schon wieder. Dieses Jahr fahren wir genau dieselbe Strecke wie letztes Jahr, aber was soll man machen uns gefällt es hier einfach gut 🙂

Aber der Reihe nach. Wir verließen Ouistreham mit der ersten Schleusung des Tages und hatten dadurch nur etwa zwei Stunden lang den Strom mit uns. Dann ging es langsam weiter, da wir bis zu drei Knoten Gegenstrom hatten. Die Schleuse gab eben den Zeitplan vor. Es wehte kein Wind und so legten wir die gesamte Strecke bis Fecamp unter Motor zurück und holten uns einen ordentlichen Sonnenbrand, trotz Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50.
Die Reede vor Le Havre
Nachdem wir die Reede vor Le Havre durchquert hatten, kam die Alabasterküste mit ihren weissen Felsen in Sicht.
Die nächsten 50 Meilen würde es kein anderes Bild geben. Immer wieder gab es kleine Dörfer, die in den Senken der Steilküste entstanden sind und die von der Aussenwelt komplett ausgeschlossen zu sein scheinen.
Die Alabasterküste...
In Fecamp blieben wir nur für eine Nacht, es stand ein ungemütlicher Schwell im Hafen und die Stege quietschten erbärmlich. Die sanitären Anlagen waren noch schlechter als im Jahr davor – unglaublich dreckig und marode. Also nutzten wir die Gelegenheit und probierten das erste Mal unsere Dusche an Bord aus. Leider haben wir sie noch nicht am Warmwasserboiler angeschlossen, das kalte Wasser tat nach dem heissen Tag auf See aber ziemlich gut und sorgte für angenehme Abkühlung.
Das für uns wichtige W-Lan war komplett ausgefallen. Dazu kam, das der Hafen von einem feierlustigen englischen Segelclub in Beschlag genommen wurde und es dementsprechend laut war. Wieder einmal stellten wir fest, dass sich der Humor von betrunkenen und nüchternen Menschen grundsätzlich unterscheidet 😉

In aller Frühe machten wir uns am nächsten Morgen auf dem Weg nach Dieppe. Wieder kein Wind, also motorten wir (diesmal mit dem Strom) mit über neun Knoten die schöne Küste entlang. Sonnenbrand inklusive.
Auf nach Dieppe
Dieppe empfing uns so schön wie immer. Kaum ist man durch die Einfahrt zwischen den weissen Felsen gefahren, legt man im Statdthafen an. Im Hafenbüro konnte man sich noch an uns erinnern, der Name TamTam bleibt vielen Franzosen im Ohr. Zwar gab es Schwierigkeiten, unsere neue Bootsgröße im Computersystem nach oben zu korrigieren, aber nach etwa 30 Minuten war auch das geschafft.

Abends saßen wir gemütlich im Cockpit und ließen den Tag ausklingen. Wir sahen im Wasser eine Taube schwimmen und wunderten uns – so etwas haben wir noch nie gesehen. Wir überlegten ob das ein normales Verhalten ist und ob sie evtl. verletzt sei? Da kam plötzlich eine sehr große Möwe im Sturzflug angeflogen, schnappte die Taube am Hals und schüttelte sie lange, dass die Federn flogen und irgendwann das Genick gebrochen war. Dann flog sie mit der Taube im Schnabel auf den nächsten Steg, zerhackte sie und verschlang sie genüsslich. Wir waren total baff! Wir wissen ja, dass Möwen manchmal Spatzen verschlingen, aber ganze Tauben? Noch lange überlegten wir, ob wir das gerade wirklich gesehen hatten. Die Besatzung vom Nachbarboot guckte genauso erstaunt wie wir…

Die Innenstadt von Dieppe
Da ein kleines Tief mit viel Wind durchzog blieben wir ein paar Tage und genossen die Zeit in unserer Lieblingsstadt an der Alabasterküste. Ein Großeinkauf war mal wieder fällig, der Wochenmarkt wurde genutzt um frisches Obst und Gemüse ein großen Mengen zu besorgen.
Eines Abends legten innerhalb von etwa 30 Minuten genau 19 Motoryachten aus Holland um uns herum an – alle jenseits der 50 Fuß Marke. Das war es dann für uns mit der schönen Aussicht und der Besinnlichkeit. Die Boote wurden anschließend stundenlang bis in den späten Abend gewaschen, poliert und herausgeputzt, als ob es kein Morgen mehr gäbe.
Glücklicherweise gab es am nächsten Morgen ein gutes Wetterfenster für unsere Weiterfahrt nach Boulogne sur Mer. Zwar hatten wir die ganze Zeit Gegenstrom, aber in dieser Gegend ist er nicht mehr so stark.
Kabbeliges Wasser an der Hafeneinfahrt
Noch in der Hafeneinfahrt sahen wir draussen die konfuse See. Überall Schaumkämme, chaotisch laufende Wellen und deutlich mehr Wind als erwartet (im geschützten Hafen war davon nichts zu spüren). Endlich konnten wir unsere neue TamTam mal unter echten Segelbedingungen testen. Wir hatten halben Wind und entschlossen uns, mal auszuprobieren wie sie sich nur unter Genua verhält. Gegen den Strom kratzten wir sofort an der 7 Knoten Grenze. TamTam lag super auf dem Ruder, also behielten wir die Segelkonstellation bei. Wir sind hin und weg von den tollen Segeleigenschaften, auch unter diesen Bedingen. Der Autopilot mit Linearantrieb steuerte perfekt die Wellen aus und so konnten wir es uns dick im Ölzeug eingepackt im Cockpit gemütlich machen. Zwar kam nur selten Gischt über, aber es war erstaunlich kalt.
Schön aber kalt
Wir erreichten Boulogne sur Mer zwei Stunden früher als erwartet. Im windgesschützen Hafen war es dann wieder so warm, dass wir noch in der Hafeneinfahrt das Ölzeug auszogen und schlussendlich barfuß, in T-shirt und kurzen Hosen anlegten. Im Moment ist gerade nur etwa die Hälfte des Hafens zu nutzen. Ein großes Zollschiff hatte vor ein paar Tagen Probleme mit dem Getriebe und konnte nicht mehr aufstoppen. Also krachte es in die Steganlage und zerriss sie in mehrere Stücke. Das Ergebnis ist beeindruckend und mit Flatterband abgesperrt. Verletzt wurde glücklicherweise niemand dabei.
Die zerstörten Anleger in Boulogne sur Mer

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