Auf dem Weg nach Cherbourg

Auf dem Weg nach Cherbourg

Im letzten Blogbeitrag haben wir noch geschrieben, wie gut wir vorankommen. Dass es auch ganz anders sein kann, zeigte sich die nächsten drei Wochen in Dunkerque. Es war zum Verzweifeln. Ein Sturmtief nach dem anderen zog durch, passende Wetterfenster gab es wenn überhaupt nur für ein paar Stunden. Zwar nutzten wir die Zeit zum Arbeiten, für verschiedene Bootsprojekte und die schönen Abende mit den vielen netten Menschen die wir endlich wieder getroffen oder auch kennengelernt haben.
Susanne mit ihrer "Zora"

Irgendwann war es aber soweit, wir starteten morgens um 4 Uhr zusammen mit Johanna und Norman mit dem Ziel Boulogne sur Mer. Da kein Wind vorhergesagt war, rechneten wir mit einer monotonen Fahrt unter Motor. Um etwas Abwechslung zu haben, schleppten wir unsere neue Angel hinterher, wussten wir doch von den letzten Jahren, dass es in der Straße von Dover aufgrund der vielen Sände und der starken Strömung viel Fisch gibt.
Mal eine andere Perspektive von uns. Danke an die Irma
Gerade als wir die zweite Tasse Kaffee ausgetrunken hatten, war auch schon die erste Makrele am Haken. Während wir die Angel wieder neu ausbrachten, sinnierten wir darüber, ob diese Makrele nun extrem blöd war und nur aus Versehen unseren Haken geschnappt hat, denn mit 6 Knoten waren wir (laut Angelverkäufer) eigentlich viel zu schnell für Makrelen. Aber kurze Zeit später, genau zwischen den Fähren von Calais, hatten wir wieder etwas am Haken. Beim Einholen staunten wir nicht schlecht – es hatten gleich vier Makrelen auf einmal zugeschnappt und wir freuten uns schon auf das Abendessen. Mit frisch gefülltem Kühlschrank rundeten wir das Kap Griz Nez und bekamen gleich Wind auf die Nase. Die letzten 15 Meilen bis Boulogne kreuzten wir gegen den schon gekippten Strom und über 20 Knoten Wind, was sich endlos in die Länge zog, aber auch irgendwie Spaß gemacht hat. Das erste Mal konnten wir die neue Genua an der Kreuz testen und waren absolut zufrieden.
Frischer gehts kaum - der Fang des Tages :-)
Nach einem Tag Pause, gab es gleich das nächste passende Wetterfenster und so brachen wir erneut gemeinsam mit der Irma auf um die etwa 60 Meilen nach Dieppe im Kielwasser zu lassen.
Anfangs war es zwar kälter als erwartet und der Wind wehte stärker als gedacht, aber das kam uns sehr gelegen, schossen wir doch meistens mit über acht Knoten dahin. Als der Wind später drehte und abnahm, war es wieder da, das Angelfieber. Wieder rechneten wir nicht damit, wirklich etwas zu fangen, aber schon nach ein paar Minuten hatten wir den ersten Hornhecht am Haken, kurz danach einen weiteren. Ok, das reichte wieder für ein leckeres Abendessen also war erst mal ein Angelstopp angesagt, zumal von der Irma die Nachricht kam, das sie fünf dicke Makrelen gefangen hatten.
"Buddy boating" mit der Irma
Dieppe war schön wie immer: urige Gassen, viele Cafes, Restaurants und eine Menge Trubel. Viel Zeit blieb nicht, um es zu genießen. Das Wetter war zu gut, um es nicht zu nutzen, also segelten wir wieder bei besten Bedingungen entlang der beeindruckenden weißen Klippen, die sich über 60 Meilen die Alabasterküste entlangziehen und nur von winzigen Ortschaften unterbrochen werden.
Die Alabasterküste direkt vor Fecamp
In Fecamp merkten wir deutlich, dass sich die Saison dem Ende neigt und der Herbst vor der Tür steht. Der Hafen war überraschend leer und neben uns gab es nur ein weiteres Boot ohne französische Flagge am Heck. Im Hafenbüro war man ganz freudig erstaunt darüber, dass noch Gäste kommen. Schon komisch, war das Wetter doch immer noch sehr sommerlich mit über 25 Grad.
Sämtliche Wettervorhersagen waren sich einig, in ein paar Tage solle es eine stabile Westwindlage geben, die lange anhält. Wenn wir also schon irgendwo lange festhängen sollten, dann bitte in einem schönen Ort mit Infrastruktur. Also starteten wir (wie soll es anders sein) in aller Frühe, um die die 80 Meilen nach Cherbourg auf uns zu nehmen. Wieder merkten wir, dass der Sommer sich dem Ende neigt, die Sonne ging erst gegen acht Uhr auf.
Endlich geht die Sonne auf, auf dem Weg nach Cherbourg
Direkt hinter der Hafenausfahrt stand eine ordentliche Kabbelwelle und beim Versuch, das Großsegel zu setzen, verhakte sich das Großfall hinter dem Dampferlicht am Mast. Wir hatten große Mühe, das Segel wieder zu bergen und das Fall zu klarieren, es war einfach zu dunkel und wir konnten das Problem nicht auf Anhieb erkennen, geschweige denn lösen. Nach vielem Geturne und Gefluche auf dem, in die Wellen stampfenden Vorschiff, wurden wir dann doch irgendwie Herr der Lage und konnten das Großsegel letztendlich setzen. Ein Decksstrahler steht ab jetzt definitiv weiter oben auf der ToDo Liste 🙂
Natürlich war der Wind stärker als angekündigt, aber die Richtung stimmte – und das bedeutete: halber Wind (für Nichtsegler: genau von der Seite), also perfekt für uns. Wieder einmal waren wir beeindruckt, wie gut TamTam läuft, im Vergleich zu ihrer kleinen Vorgängerin. Wir liefen nur selten unter acht Knoten, teilweise auch deutlich über neun Knoten, wenn wir eine Welle herunter surften. Das hatte aber auch den „Nachteil“, dass wir die strömungsreichen Gewässer vor Cherbourg viel schneller erreichten, als erwartet. Die letzten Stunden mussten wir uns dann gegen die starke Strömung gegenan quälen und haben teilweise nur noch drei Knoten Fahrt über Grund gemacht, da langsam auch der Wind abnahm. Trotzdem brauchten wir für die gesamte Strecke nur etwa 12 Stunden, für uns ein guter Wert 🙂 
In Rauschefahrt gehts nach Cherbourg

Cherbourg ist für uns in vielerlei Hinsicht ein besonderer Hafen. Zum einen haben wir hier jedes Mal eine tolle Zeit gehabt und viele nette Menschen kennengelernt, zum anderen haben wir die „neue“ TamTam hier vor etwa 1,5 Jahren gekauft und zwei Monate an ihr gebastelt und sie wieder einsatzbereit gemacht. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass wir viele bekannte Gesichter sahen und man sich selbst im Hafenbüro an uns erinnerte.
Cherbourg... gefällt uns :-)
Eine schöne Überraschung am Rande: Mitglieder vom „Trans Ocean“ bekommen 20 Prozent Rabatt auf die Liegegebühren, da wir uns gleich für den günstigeren Wochentarif entschieden haben, zahlen wir unterm Strich etwa 18 Euro pro Nacht, inkl. Wasser und Strom. Im letzten Hafen haben wir fast das doppelte gezahlt. Uns war klar, dass wir hier lange bleiben werden. Für die nächste Zeit ist viel Wind aus westlichen Richtungen vorhergesagt, es gab noch dies und das am Boot zu erledigen und last but not least musste ein recht großer Auftrag abgearbeitet werden, der einiges an Zeit und Nerven in Anspruch nahm. Im Gegensatz zu unserer Auszeit vor ein paar Jahren, arbeiten wir jetzt weiterhin von Unterwegs und da sind manchmal lange Pausen nötig. Strecke machen, bzw. das Segeln als solches steht da nicht immer im Vordergrund und es gibt einen Alltag wie Zuhause auch, nur mit dem großen Unterschied, dass wir ihn immer woanders erleben 🙂

2 Replies to “Auf dem Weg nach Cherbourg”

  1. Eure Berichte sind einfach toll zu lesen und lösen Fernweh in mir aus. Die Bilder am Ende der Berichte lassen einen teilhaben an euren Erlebnissen. Vielen Dank dafür und immer die richtigen Winde wünscht euch Thomas.

    1. Hallo Thomas, vielen Dank für Deinen Kommentar, wir freuen uns immer sehr über Rückmeldungen zu unseren Artikeln – natürlich besonders, wenn sie so positiv ausfallen, wie Deine 🙂

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