Archiv: Januar 2016

Vor einer Weile hatten wir Besuch aus Deutschland. Birtes Eltern schauten für ein paar Tage in Camaret vorbei. Sie kamen mit dem Auto aus dem verschneiten Deutschland und brachten den Winter gleich mit. Es waren die kältesten Tage seitdem wir hier festgemacht haben. Unter 7 Grad und ein eisiger Wind machten Besichtigungstouren im Freien recht ungemütlich.

Besuch aus Deutschland

Aber wir hatten ja auch ein Auto. Es ist ziemlich merkwürdig, wenn man sonst eine Stunde zu Fuß bergauf geklettert ist, um an einen schönen Aussichtspunkt zu kommen, plötzlich innerhalb von 5 Minuten mit dem Auto oben zu sein. Irgendwie hat man es sich dann gar nicht richtig „verdient“ :-)

Aber so ein Auto eröffnet einem natürlich auch ganz andere Möglichkeiten. Wir haben die weitere Umgebung von Camaret erkundet und uns zum Beispiel das niedliche Städchen Locronan angeschaut.

Seifenmacherwerkstatt in Locronan

Locronan liegt etwas im Landesinneren und ohne Auto wären wir dort nie hingefahren. Es hat einen mittelalterlichen Stadtkern, der komplett erhalten ist. Damals verdankten die Leute ihren Reichtum der Herstellung von hochwertigem Segeltuch. Heute ist es ein Touristenmagnet, außerhalb der Saison aber wirklich sehenswert. Besonders das neblig-kalte Wetter machte die Stimmung noch eindrucksvoller, vielleicht auch weil wir zwischen den alten Gemäuern fast keiner Menschenseele begegnet sind – eine richtige Zeitreise!

Düstere Stimmung in Locronan

Einen Tag nachdem Birtes Eltern wieder abgereist waren, wurde es plötzlich Frühling. So warm wie lange nicht, konnten wir wieder viel draußen sein und in aller Ruhe unsere Backskisten und das Vorschiff isolieren. Das Dämmmaterial hatten Birtes Eltern neben einem kleinen Ölradiator mit nach Frankreich gebracht. Bilder hiervon gibt es auf unserer Facebookseite, wo wir auch öfter kleine Beiträge schreiben.

Frühling :-)

Inzwischen ist es wieder kälter und wir sind sehr froh über die zusätzliche Isolierung und natürlich die kleine Heizung!

 

Nach besinnlichen Weihnachtsfeiertagen fing das neue Jahr bei uns sehr stürmisch an. Einen Tag vor Silvester ging es los. Wir hatten eine menge Wind, Böen bis 120 Km/h aus SW. SW war für uns sehr ungünstig, weil es aus dieser Richtung im Hafen hier sehr ungeschützt ist.

Unruhig im Hafen!

Außerdem hat es uns direkt auf den Steg gedrückt und wir bekamen durch den Wind so viel Schräglage, dass wir uns ein paar mal beinahe mit der Fußreling unter dem Ponton verhakt hätten. Unsere Fender taten ihr bestes, waren aber an ihrer Leistungsgrenze. Der Schwell im Hafen tat sein Übriges und so hatten wir eine sehr unruhige Nacht. Im Morgengrauen ist Nico losgegangen und hat noch den letzten Fender vom Bootsausrüster gekauft. Wir waren nicht die Einzigen, überall auf den Stegen liefen nun Leute mit Fendern in der Hand umher. Auch Johan und Hervé, hatten die Nacht kein Auge zugetan. Sie sind auch Liveabords und leben hier im Hafen. Am Nachmittag sollte der Wind für ca. eine Stunde nachlassen, da haben wir uns schnell verholt.

Windige Tage in Camaret

Die Silvesternacht war wieder ganz ruhig. Wir sind mit Johan sehr lecker Essen gegangen, allerdings machte der Laden um fünf vor zwölf zu und wir standen zum Jahreswechsel auf der verlassenen Hafenpromenade. Kaum ein Mensch in Sicht. Ein paar betrunkene Jugendliche zündeten ein, zwei Raketen, ansonsten war alles ruhig.

Wir waren etwas verwundert, weil wir noch am Nachmittag viele Menschen auf den Straßen gesehen hatten. Trotzdem war es ein sehr schöner Moment, an den wir uns gerne erinnern werden! Da wir keinen Sekt hatten, haben wir mit ein paar kleinen Flaschen Kümmerling angestoßen. Johans Gesicht nach dem ersten Schluck war unbezahlbar – anscheinend ist deutscher Kräuterschnaps nicht so sein Fall :-)

Neujahrsbesuch :-)

Nach Silvester ging es direkt mit Starkwind weiter. Da die nette Hafenmeisterin „Gaëlle“ uns aber einen besseren Liegeplatz organisiert hat, der bei allen Windrichtungen sicher ist, sehen wir das ganze wieder etwas gelassener.

Ein paar Tage später waren wir bei Johan zu einem traditionellen französischen Kuchen (Galette des Rois) eingeladen. Eigentlich darf man den erst am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im neuen Jahr essen, aber wir haben das Ganze etwas vorgezogen. In dem Kuchen ist eine kleine Porzellanfigur versteckt. Derjenige, der die Figur in seinem Kuchenstück findet, ist dann König für einen Tag. Der Kuchen war sehr lecker und Nico hatte das Glück König zu werden. Das hat er auch den ganzen Tag lang laut verkündet und wollte Sonderrechte. Leider hat es niemanden so richtig interessiert :-)Die "Fève" im "Galette des Rois"