Archiv: Juli 2014

In Odden ging es morgens nach einem Gang zum Supermarkt direkt weiter, der Wind war einfach zu gut um ihn ungenutzt zu lassen, wann hat man schon über Tage hinweg nordöstliche Winde? Das Ablegemanöver klappte trotz des stark auflandigen Winds erstaunlich gut und schon konnte die Rauschefahrt nach Sejerø beginnen. Allerdings mussten wir vorher noch durch das Sjælands Rev. In den Handbüchern wird empfohlen nur bei besten Wetter und wenig Wind diese Passage zu wählen. Da diese Bezeichnungen aber ziemlich relativ sind, entschlossen wir uns dazu diese Abkürzung zu nehmen. Wie sich herausstellte waren wir nicht die einzigen, denn es wurde ziemlich voll in dem Nadelöhr. Die Durchfahrt erinnerte ein wenig an die Weser- oder Elbemündung. Wir hatten frischen achterlichen Wind und eine erstaunlich starke Gegenströmung von etwa 3 Knoten, wodurch sich recht hohe und steile Wellen auftürmten. Eigentlich nichts was wir nicht schon von der Elbe und der Weser kennen würden, wenn man aber auf etwa 4 Meter Wassertiefe plötzlich den Meeresgrund und einzelne Felsen erkennen kann wird es doch spannend.

Im Riff

In Sejerø angekommen, tat sich das gewohnte Bild auf: der Hafen war hoffnungslos überfüllt. Viele Päckchenlieger jenseits der 45 Fuß Grenze. Also fackelten wir nicht lange, bereiteten den Anker vor und ließen ihn neben der Hafeneinfahrt im sandigen Grund fallen. Ein Tauchgang bestätigte, dass er sich komplett eingegraben hat und wir sicher liegen. Wo wir schon die Taucherbrillen aufhatten, nutzten wir die Gelegenheit und befreiten unsere Welle und den Propeller vom Pockenbewuchs. Bisher hatten wir damit nie Probleme, dieses Jahr scheinen wir aber sehr anziehend auf sie zu wirken.

Mist, im Parkverbot geankert!

Als wir uns später nach einem leckeren Abendessen dem Fresskoma im Cockpit hingaben, sahen wir ein Segelboot in den Hafen einlaufen, dass uns irgendwie bekannt vorkam. Als auch sie den Hafen wegen Überfüllung verliessen und neben uns ankerten erkannten wir sie: Michi, Marc und Tuuli auf der Lupa kannten wir schon von ihrer Webseite „Elternzeit Querab“. Also haben wir ihnen einen Gruß über Facebook geschickt, welcher gleich mit einer Einladung erwidert wurde. Gerne haben wir diese angenommen, ruderten rüber und verbrachten einen sehr netten Abend mit viel Klönschnack an Bord der Lupa, der ziemlich lange ging :-)

Lupa

Am nächsten Morgen entschlossen wir uns spontan, noch einen weiteren Tag vor Anker zu verbringen und einen Waschtag einzulegen. Nach einem gemeinsamen Kaffee verabschiedeten wir uns von der Lupa-Crew, die es weiter in den Norden zog.

Birte ruderte an Land, belegte die Waschmaschine und den Trockner und danach hieß es: baden, tauchen, sonnen, usw… Dinge die man halt so vor Anker macht :-)

Endlich in Schweden

Die Wettervorhersage sagte mal wieder Flaute aus östlichen Richtungen vorher, also legten wir ohne wirkliches Ziel ab. Gerade die Segel gesetzt, wurden wir aber mit tollem Wind überrascht. Also hängten wir die Windsteueranlage ein und genossen den direkten Anlieger Richtung Öresundbrücke, bei halben Wind mit 4-5 Bft. und Sonne satt. Für Nico war es eine Premiere, es wurde sein erster Schwedenbesuch: Malmö.

Leider haben wir dieses Jahr einen recht straffen Zeitplan und so ging es am nächsten Tag gleich weiter – leider. Das nächste mal nehmen wir uns mehr Zeit um Schweden zu erkunden. Die Wettervorhersage hatte mal wieder ein Schulpraktikant gemacht, oder der Hausmeister. Die angesagten 4 Bft. blieben komplett aus, so blieb uns nichts anderes übrig als den kompletten Öresund hoch zu motoren. Trotzdem eine tolle Gegend, irgendwann kommen wir wieder mit mehr Zeit. Gerade am Hamletschloss in Helsingør vorbei, frischte der Wind auf und wir konnten die letzten Stunden nochmal die Segel setzen. Die Nacht verbrachten wir im völlig überfüllten Hafen von Geleleje, wo wir erst kreativ werden mussten, um einen Liegeplatz zu bekommen. Wir legten uns quer vor die Box eines Dänen und fragten ihn nett, ob es ok ist und wann er morgen los will. Mürrisch kam die Standardantwort: „At five o’clock“. Wir erwiderten, dass das ja gut passen würde, da wir bereits um vier Uhr loswollen. Fand er nicht lustig…

Wir liefen am nächsten Morgen gegen 9 Uhr aus und der mürrische Däne vom Vorabend schlief noch tief und fest.

Ein super Segeltag mit viel Wind entschädigte für die letzte Nacht. Glücklich erreicht wir Odden, ein netter kleiner Hafen mit leicht morbidem Charme, aber: nicht wirklich überfüllt und nette Menschen überall.

Sonnenuntergang

 

Endlich war das schlechte Wetter vorbei und wir machten uns sofort auf den Weg Richtung Norden. Das Wetter war zu gut, um wie geplant in Gedser einzulaufen (zumal Gedser nun wirklich nicht zu unseren Lieblingshäfen gehört). Der nächste Hafen (den Namen habe ich vergessen) wurde im Hafenhandbuch als häufig überfüllt und recht flach beschrieben, so entschieden wir uns dazu, den Hafen links (Backbord) liegen zu lassen und Klintholm anzusteuern. Um 01:30 Uhr Nachts kamen wir an, drehten ein paar Runden durchs Hafenbecken und konnten auch mit viel Fantasie keinen freien Platz mehr finden. Selten haben wir einen so überfüllten Hafen gesehen. Spontan fühlten wir uns an Helgoland erinnert. Da wir keine Lust hatten, als siebter im Päckchen zu liegen, stellten wir uns auf eine komplette Nachtfahrt ein und fuhren weiter… Richtung Norden. Gerade an den Kreidefelsen von Mön vorbei, ging langsam die Sonne wieder auf und wir legten den Kurs auf Rødvig an. Dort trudelten wir um etwa 08:00 Uhr ein. Wir fanden sofort einen freien Liegeplatz, da die ersten Segler schon wieder unterwegs waren. Nach einem Schläfchen im Cockpit stellten wir fest, dass der Hafen Mittags schon wieder voll war, und es die ersten Viererpäckchen gab. Für uns als Langschläfer wird es wohl ab jetzt jeden Tag Liegeplatzprobleme geben :-)

Unter Motor haben wir festgestellt, dass es bei uns an der Welle klappert. Um zu sehen, woran es liegt, ist Birte todesmutig in das schlammige Hafenwasser gesprungen. Es war unsere Wellenanode, sie hatte sich los gerüttelt und machte ordentlich Radau. Nach einigen Tauchgängen war sie dann endlich losgeschraubt. Mal sehen, wo wir eine neue finden.