Huch … schon ganz schön lange her, dass wir einen Blogbeitrag geschrieben haben. Uns kommt es gar nicht so lang vor, zu schön war der Alltag in Camaret sur Mer. Wir haben uns sehr wohl gefühlt und es war ständig etwas los. Zwar sind immer wieder starke Stürme durchgezogen, worauf aber auch immer eine Schönwetterphase folgte.

Der Strand von Camaret

Wir haben viele nette Menschen kennengelernt, die für Abwechslung und interessante Gespräche gesorgt haben. Jeder hat seine Geschichte zu erzählen und die ist immer interessant. Ferienhausbesitzer aus Deutschland, Langfahrtsegler aus aller Welt, Einheimische, Liveaboards, Segellehrer, eine Deutschlehrerin, usw… Nicos Geburtstag wurde gefeiert, ein Zahnarztbesuch stand auf dem Programm. Nico hat sich einen Eckzahn abgebrochen. Die Behandlung war aber unkompliziert und mit 23 Euro (nein keine Null zu wenig) erstaunlich günstig.

Tauchgang bei 11° C Wassertemperatur

Birtes Tauchgang im eisigen Hafenbecken überzeugte uns davon, dass TamTam aus dem Wasser muss. Es hat sich zuviel Bewuchs gebildet, was uns aber nicht gewundert hat – TamTam wurde ja nicht viel bewegt im Winter. Also ging es zwischendurch für eine Woche nach Brest, wo wir ein paar Tage an Land verbracht haben und das Unterwasserschiff neu gestrichen – sowie die Welle und den Propeller poliert haben. Wir waren ganz gerührt von der Hilfsbereitschaft und der Freundlichkeit der anderen Bootsbesitzer, die auch gerade an ihren Schiffen gearbeitet haben.

TamTam auf der Werft

Ein Franzose hat uns ganz euphorisch erzählt, das er Anfang der achtziger Jahre seinen Yachtmaster auf einer Albin Ballad gemacht hat, sowie das Fastnet Race auf einer mitgesegelt ist. Erstaunt waren wir, was die Waage des Travellifts angezeigt hat: genau fünf Tonnen. Die Ballad soll aber ab Werk 3,4 Tonnen wiegen … upps :-)
Wieder zurück in Camaret merkten wir deutlich, dass die Saison wieder beginnt. Der Hafen wurde voller, Touristenbusse fielen ein und erste kleine Staus bildeten sich in den Straßen. Also bereiteten wir uns auf die Weiterfahrt vor und erledigten letzte Kleinigkeiten an Bord. Mit Johan und Roxane fuhren wir zum „Tanz in den Mai“ nach Morgat, wo ein traditionelles bretonisches Fest mit bretonischer Livemusik und bretonischen Bier stattfand. Birte wurde eingespannt und beherrscht nun sämtliche bretonische Tänze, die ihr Geduldig – aber bestimmt von den Einheimischen beigebracht wurden. „Bretonisch“ war übrigens das Wort des Abends ;-) Für uns war es Gleichzeitig ein runder Abschied, von dieser tollen Gegend mit ihren netten Menschen. Nachdem wir nochmal mit Johan und Roxane Essen gegangen sind, verließen wir wehmütig und mit einem Kloß im Hals bei bestem Wetter den Hafen und segelten nach L’aber Wrach.

Machs gut Camaret

Der Chenal du Four hat sich von seiner schönsten Seite gezeigt und wir konnten ausgiebig die tolle Landschaft genießen. Nun sind wir in Roscoff und warten darauf, das der Wind endlich mal nicht aus Osten kommt und der Nebel sich verzieht – dann geht es zu den Kanalinseln weiter.Phare du Four

 

 

 

Endlich haben wir es mal geschafft, ein bißchen Videomaterial zusammenschneiden. Erstmal gibt es eine kleine Zusammenfassung, aber wenn wir es schaffen, folgen nach und nach längere Videos der einzelnen Etappen. Wie wir das dann hochgeladen bekommen, ist allerdings noch fraglich. Dieses Video hat schon 7 Stunden gebraucht…

Schon Tage vorher wurde der erste richtige Frühjahrssturm vorhergesagt. Wir hatten schon öfter mal Starkwind oder auch Sturm, aber diesmal sollte er drei Tage anhalten. Überall im Hafen wurden zusätzlich Leinen und Fender ausgebracht, die Kaimauer die den Aussenhafen mit dem Innenhafen verbindet wurde abgesperrt.

Deshalb wurde die Straße gesperrt.
Die Wettervorhersage stimmte auf die Stunde genau und so wurden wir mitten in der Nacht geweckt, als sich TamTam ruckartig auf die Seite legte und kräftig durchgeschüttelt wurde. Die Böen klangen wie ein anrollender Güterzug und fühlten sich auch fast so an. Die nächsten Tage wurde das Bordleben selbst im Hafen ungemütlich. Das Geschirr und andere Dinge rutschten ständig vom Tisch, wenn man mal wieder vergessen hatte Antirutschmatten unterzulegen. Das schrille pfeifen der Wanten machte es kaum möglich sich zu unterhalten und es wurde ungemütlich kalt. Wir hatten insgesamt sieben Festmacher draußen, die nun alle ausgetauscht werden müssen, weil sie ziemlich aufgescheuert sind (trotz Schutzschläuchen), bzw. sich auflösen.

Kleine Anekdote: als Nico versuchte aus den tiefen der Pantry einen Topf zu fischen, kam unvermittelt ein starke Böe, die TamTam im Einklang mit dem starken Schwell plötzlich sehr weit auf die Seite legte. Er verlor das Gleichgewicht und prallte mit dem Gesicht gegen den Schrank. Ergebnis: eine schickes blaues Auge. Tut zum Glück nicht besonders weh, sieht nur verrucht aus ;-)

Das Meer kommt fast die Klippen hoch

Trotzdem machten wir uns auf den Weg zu den Klippen auf der Westseite von Camaret sur Mer um das Naturschauspiel im vollen Maße zu erleben. Dort angekommen war es kaum möglich auf der Stelle zu stehen, geschweige denn einigermaßen sicher den Trampelpfad entlangzulaufen. Der Wind schubste uns ständig von links nach rechts und wieder zurück, die Fallböen kamen plötzlich mal direkt von der anderen Seite, so das man einige Ausfallschritte in alle Richtungen machen musste. Da es an den Klippen 30-40 Meter in die Tiefe geht, war es teilweise nicht ganz ungefährlich. Also hielten wir lieber einigen Abstand zur Abbruchkante und suchten bei den Schauerböen Schutz in den verschiedenen Bunkern.
Laut Windfinder sollten die Wellen knapp neun Meter hoch werden. Wer schonmal versucht hat, Wellen zu fotografieren, weiß aber wie ernüchternd das Ergebnis ist. Wir haben es trotzdem versucht und hoffen, dass man einen kleinen Eindruck vermittelt bekommt.