Sonnenaufgang vor Guernsey

Einige haben es ja sicherlich schon mitbekommen, wir haben TamTam in einigen Portalen zum Verkauf angeboten. Der typische Satz: “Wir wollen uns vergrößern, daher verkaufen wir schweren Herzens…” trifft auch bei uns zu. In den letzten sieben Jahren haben wir tolle Reisen gemacht und viele unvergessliche Momente mit TamTam erlebt, aber auch viel gelernt und neue Erfahrungen gesammelt.
Wir würden uns sehr freuen, wenn sie in gute Hände kommt und noch viel erlebt, denn dafür haben wir sie ausgerüstet.
Hier geht es zur Verkaufsanzeige

Wie es bei uns weitergeht, wie sich unsere Suche nach einem größerem Boot gestaltet schreiben wir bald hier im Blog :-)

Sonnenuntergang auf der Weser

Wie einige vielleicht schon unserer Facebookseite entnehmen konnten, haben wir uns dazu entschieden weiterhin an Bord zu wohnen. Bisher konnten wir uns nie vorstellen, im Alltag und vor allem im norddeutschen Winter auf TamTam zu leben. Mittlerweile ist es aber genau andersrum: zurzeit  können wir uns nicht mehr vorstellen in einer Wohnung zu leben. Zu sehr genießen wir die Zeit an Bord, bzw. das Bordleben.

Nach unserer Rückkehr haben wir uns einige Wohnungen angeschaut, konnten uns aber nie wirklich für eine erwärmen. Es war immer das Gefühl im Hinterkopf, dass uns das Wasser, der Blick über den Hafen und auf andere Schiffe fehlen würde. Es ist erstaunlich wie ein Jahr Auszeit uns in dieser Hinsicht verändert hat. Früher dachten wir oft, dass es ja eigentlich schön wäre an Bord zu leben, aber es kam uns einfach zu umständlich vor. Es ist schwer die Komfortzone zu verlassen, wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat.
Nun nach eineinhalb Jahren an Bord haben wir uns sehr an das Bordleben gewöhnt und uns eingespielt, dass uns kaum noch auffällt, das einige Dinge anders und manchmal auch umständlicher sind. Bei Minusgraden die Duschsachen zu packen und über den vereisten Steg zum Waschhaus zu schliddern, kostet schon etwas Überwindung, genauso wie das Nachtanken aus dem Kanister bei strömenden Regen. Die Dieselheizung hat nunmal Durst – sie läuft rund um die Uhr.

-9 Grad. Dank Standheizung ist es in der Kajüte trotzdem gemütlich.
Die schönen Momente überwiegen aber deutlich. Wir haben sehr nette Nachbarn, die ebenfalls das ganze Jahr an Bord wohnen. Es gibt immer einen netten Schnack wenn man sich auf dem Steg begegnet, manchmal trifft man sich auch zum Essen oder auf ein Bier an Bord. Jetzt in der Vorweihnachtszeit sind einige Boote mit Lichterketten geschmückt, was sein eigenes Flair hat. Es gibt immer wieder Momente, in denen wir beide aus dem Fenster/Niedergang schauen und feststellen, wie gut wir es haben.

Weihnachtsstimmung

Natürlich mussten wir TamTam etwas umrüsten, um komfortabel durch den Winter zu kommen.
Schon im Herbst haben wir eine Planar Standheizung eingebaut. Eine günstige Alternative zu den bekannten Herstellern wie Eberspächer oder Webasto. Wir sind absolut zufrieden, die Heizung läuft nun seit Wochen zuverlässig und verbraucht verhältnissmäßig wenig Diesel. Der Einbau hat etwa zwei Tage gedauert. Wenn wir das Schiff länger verlassen, schalten wir einen Keramikheizlüfter mit Frostwächterfunktion ein, der auf kleinster Stufe nur 450 Watt benötigt.

Die neue Planar Standheizung.
Zusätzlich haben wir nach und nach den kompletten Rumpf bishin zur Deckskante mit Xtreme von Reimo isoliert (insgesamt 18qm Isolierung haben wir gebraucht). Zum einen um die Wärme im Schiff zu halten, aber auch um Kondenswasserbildung vorzubeugen. Der Rumpf war (bevor wir isoliert haben) ab der Wasserlinie sehr nass. Nun ist aber alles richtig trocken und es herrscht ein angenehm trockenes Raumklima. Wichtig hierfür ist allerdings auch, dass die Standheizung ihre Frischluft von aussen bekommt, nur so wird es wirklich trocken an Bord. Zum Glück hat die Ballad ein Sandwichdeck, welches sehr gut isoliert, hier mussten wir nicht nacharbeiten.

Auch hinter den Schränken wird isoliert.

Auch wenn unsere Seeventile von TruDesign als Frostsicher gelten und wir nie unter null Grad an Bord haben sollten, haben wir sie (genau wie den Motor) mit Frostschutzmittel eingewintert. Die Kühlwasserleitung zum Motor haben wir mit einem gut zugänglichem Bypass versehen, so ist das Einwintern der Maschine eine Sache von wenigen Minuten.
Einfach einen Eimer mit Frostschutzmittel füllen, einen Schlauch an den Bypass aufstecken, das andere Ende in den Eimer halten und die Maschine laufen lassen bis der Eimer leer ist und schon sind der Motor, der Wassersammler sowie sämtliche Schläuche Frostsicher.
Einem Segeltörn an einem schönen Wintertag steht also nichts im Weg :-)

Belgien in Sicht

Nachdem mal wieder ein Sturmtief durchgezogen war, verließen wir Dunkerque bei Sonnenschein und mit achterlichem Wind. Die Strömung stand günstig, der Wind war perfekt und schneller als erwartet kamen wir in Blankenberge an. Hier hielt es uns nicht lange, schon in der Hafeneinfahrt bereuten wir unsere Entscheidung, doch nicht weitergefahren zu sein. Blankenberge kann man getrost als als den hässlichsten Hafen unserer Reise bezeichnen. Riesige Hotelburgen, der Hafen war sehr voll und laut. Also ging es gleich am nächsten Morgen weiter.Blankenberge. Nicht wirklich schön

Der Wetterbericht hatte absolute Flaute vorhergesagt und behielt recht. Also liefen wir den ganzen Tag unter Motor. Die Sonne brannte vom Himmel und wir suchten Schatten an Bord wo es nur ging. Über den Tag verteilt haben wir schätzungsweise 30 Schweinswale gesehen, die gejagt haben. Vor ihnen sind immer kleine Fische aus dem Wasser gesprungen, in der Hoffnung ihre Verfolger so abschütteln zu können. Aber selbst wenn sie entkommen konnten, waren ihre Überlebenschancen sicher nicht hoch. Wir haben nämlich auch immer wieder Robben aus dem Wasser gucken sehen, die auch keinen kleinen Fisch verschmähen würden :-)

Eine der vielen Robben, die immer wieder neugierig aus dem Wasser gucken.
So hatten wir immer wieder eine nette Abwechslung, während wir durch die Hitze motorten. Die Nordsee zeigte sich friedlich und wir konnten uns kaum vorstellen, das wir genau hier im Jahr zuvor so eins auf die Mütze bekommen haben, dass sogar unser Schott gebrochen ist.

Vor Rotterdam. Tradition trifft auf Industrie
Vor Rotterdam mussten wir dann tatsächlich noch ein paar Frachtern ausweichen, letztes Jahr sind wir hier im Nebel zum Glück so durchgeschlüpft. In Scheveningen angekommen, war es voll wie immer, also war mal wieder Päckchenliegen angesagt. Zum Glück konnten wir uns durch die noch gebliebene Gasse bis zum Ende rückwärts durchschlängeln und an einem riesigem Motorboot längsseits gehen. So konnten wir übers Heck auf den Quersteg gehen, ohne ständig über andere Boote zu klettern. Sehr praktisch, denn für die nächsten Tage war wieder Starkwind vorhergesagt, so dass es erstmal kein Weiterkommen mehr gab.

Scheveningen - wie immer voll.
Wir lernten Martina und Jens aus Hooksiel kennen, die mit ihrer Hallberg Rassy 31 “Maje” ebenfalls schon auf Langfahrt waren und nun wieder für ein paar Monate unterwegs sind. Bei tollem Wind segelten wir zusammen nach Ijmuiden, wo wir Susanne mit ihrer “Zora” trafen. Schon Wochen vorher hatten wir uns über Facebook hin- und hergeschrieben, dass es ja toll wäre, wenn wir uns ihn Holland treffen würden – und nun passte es tatsächlich. Susanne will nach England segeln und Ijmuiden als Absprunghafen nehmen. Da wir uns bestimmt seit zwei Jahren nicht mehr gesehen haben, gab es viel zu erzählen.

Susanne mit iher "Zora"

Zeit hatten wir genug, wieder mal gab es Starkwind und so blieben wir alle gezwungenermaßen ein paar Tag in Ijmuiden und wurden vom vorgelagertem Strand mit Sand versorgt und regelrecht paniert.

Als sich das Wetter besserte, segelte dann jeder wieder seiner Wege. Wir segelten nach Den Helder um mal wieder einkaufen zu können und Wäsche zu waschen. Die Waschmaschinenbenutzung war gratis, was wir ausgiebig genutzt haben, mit den Hafenfahrrädern ging es zum Einkaufen und wir waren wieder startklar.

Durch das Molengat ging es vorbei an Texel. Wir überlegten noch kurz, ob wir einen Zwischenstopp in Vlieland einlegen, hatten aber vorher schon gehört, das es ziemlich voll, bzw. schon gesperrt ist wegen Überfüllung. Also beschlossen wir die die Nacht durchzusegeln mit dem Ziel Norderney. Die letzte Nachtfahrt unserer Reise war auch gleichzeitig die schönste.

Das Wetter war perfekt, und die Nacht war endlich mal nicht zu kalt. In der Emsmündung war zwar wie erwartet sehr viel Verkehr, aber es war Vollmond. Die Sicht war so gut, man hätte im Cockpit sogar lesen können. Das AIS zeigte uns zuverlässig den Berufsverkehr an, die wenigen Segler konnte man ohne Probleme trotz Dunkelheit erkennen.

Sonnenaufgang auf der Nordsee

Nach einem spektakulärem Sonnenaufgang erreichten wir Norderney und konnten um 7 Uhr Morgens den den letzten freien Liegeplatz ergattern. Segeln in der Hauptsaison halt.
Für uns war es fast ein Kulturschock wieder in Deutschland zu sein. Das erste mal seit 13 Monaten wurden wir mit einem “Moin Moin” vom Hafenmeister empfangen. Man konnte die Bootsnachbarn ohne Probleme verstehen und das Einkaufen stellte einen nicht mehr vor eine Herausforderung.
Wir blieben ein paar Tage, da wir uns immer noch nicht mit dem Gedanken anfreuden konnten wieder in die Heimat zu Segeln und damit dem Ende der Reise ins Auge zu blicken. Wir trafen zufällig wieder Martina und Jens von der “Maje” und machten uns ein paar schöne Tage.

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Irgendwann konnten wir uns dann aber doch wieder losreissen und machten uns auf den Weg in die Weser. Als das Containerterminal von Bremerhaven in Sicht kam, war klar: das war es jetzt. Die unbeschwerte Zeit ist vorbei. Zum Glück überwog die Vorfreude auf unsere Familie und unsere Freunde und wir konnten es auf einmal nicht mehr schnell genug nach Bremen schaffen. Als dann noch Abends die Nachricht von Nicos bestem Freund kam, dass er in der Nacht Vater geworden ist, machten wir uns bei absoluter Flaute und ungünstiger Tide auf den Weg nach Bremen.

Die alte Alexander von Humbold emfängt uns in Bremen :-)

Ab da ging alles ganz schnell. Gerade angelegt stiegen wir ins Auto, fuhren durch das hektische aber auch vertraute Bremen um uns mit Freunden und Familie zu treffen und ausgiebig die schönen Anlässe zu feiern…