Sonntag haben wir TamTam an den neuen Eigner Uwe übergeben.
Nach einer sorgfältigen Einweisung und viel Papierkram hieß es dann Abschied nehmen. Es war schon ein komisches Gefühl, das letzte mal von Bord zu gehen. Die letzten Tage an Bord sind wir oft in Erinnerungen geschwelgt und haben viel Erlebtes revue passieren lassen. Mit einem dicken Kloß im Hals stiegen wir dann in den vollgepackten Bulli, warfen einen  Blick über den Hafen und winkten der kleinen TamTam ein letztes Mal zu. Die Vorfreude war dennoch groß, denn die neue TamTam wurde inzwischen schon an Land gestellt und wartete auf uns. Die Fahrt nach Cherbourg ging schneller als erwartet und so kamen wir früher an als gedacht.
Auf dem Weg nach Cherbourg

In der Marina trafen wir auch sofort den Makler. “Hier ist der Bootsschlüssel und eine Leiter, den Papierkram machen wir später – viel Spaß”, ok, das ging schnell und unkompliziert.
Als wir an Bord kletterten und das Schiebeluk öffneten, stellten wir fest: der Eigner hat so ziemlich alles an Bord gelassen, was er nicht mehr benötigt. Die ersten beiden Tage haben wir also nur aussortiert, entrümpelt und viel geputzt. Zum Glück steht die neue TamTam direkt bei den Müllcontainern, denn neben acht riesen Müllsäcken voll mit Kram, entsorgten wir auch ein paar Kubikmeter Sperrmüll.
Ein Teil der Dinge, die wir entsorgt oder verschenkt habenAllerdings fanden wir auch viel Ausrüstung und Ersatzteile, die wir sehr gut gebrauchen können, bzw. uns sowieso noch angeschafft hätten.
Nach der Putzaktion schraubten wir unnütze Dinge wie den Flachbildfernseher, die Mikrowelle, die Glastrennwand der Pantry und den elektrischen Luftentfeuchter ab und verschenkten alles zusammen mit dem Zweitanker samt Kettenvorläufer und ein paar alten Fendern. Wir freuen uns, wenn es jemand gebrauchen kann.

Wir waren beeindruckt, wie groß und gemütlich auf einmal alles wirkte. Wir fühlten uns auf Anhieb wohl und fingen an, unsere Sachen einzuräumen. Das ganze ging allerdings ziemlich schnell und es sind immer noch viele Schränke und Fächer leer. Es ist schon von Vorteil, von einem kleinen Schiff auf ein größeres zu ziehen :-)
Langsam lichtet sich das Chaos
Es dauerte zwar etwas, aber mittlerweile haben wir herausgefunden, wofür welcher Schalter ist und wie die Batterien geschaltet sind, wie die Druckwasseranlage und der Wasserboiler funktionieren, und und und…
Weiter ging es mit etwas Komfort: wir bauten das neue Autoradio ein, überarbeiteten die sehr gewagte Gaskonstruktion und brachten sie auf den nötigen deutschen Standart. Abends gab es dann das erste Mal selbstgemachte Pizza. Lange haben wir von einem Ofen an Bord geträumt, nun war es endlich soweit und die Pizza lecker :-)

Den Rumpf haben wir in mühevoller Kleinarbeit gereinigt, poliert und gewachst. Zwei Jahre unbewegt an einem Liegeplatz hinterlassen nunmal ihre Spuren in Form von Kalk, Regenstreifen, Fenderabrieb am Rumpf, und sonstigem Dreck. Beim Polieren merkt man dann auch deutlich, dass das Schiff 2.5 Meter länger – und der Freibord wesentlich höher ist. Nach dem dritten Durchgang hängen die Arme herunter, wie weiche Spaghetti und man fühlt sich ziemlich alt :-) Die gelben Zierstreifen, der alte Name und die Grafik am Bug waren relativ schnell entfernt, die Kleberückstände waren aber so hartnäckig, dass wir einige Stunden gebraucht haben, um sie restlos zu entfernen.
Nico entfernt den Zierstreifen
Umso schöner war es aber, das Dinge, über die wir uns vorher viele Gedanken gemacht haben, problemlos klappten. Zum Beispiel passt der neue Delta Anker perfekt in die original Ankerhalterung. Das Funkgerät konnten wir selber umprogrammieren und müssen es nicht extra dafür einschicken.
Bei der Besichtigung war uns aufgefallen, dass der Anlasser etwas langsam dreht, beachteten es aber erstmal nicht weiter. Bei der Ankunft letzte Woche wurde uns dann mitgeteilt, das es dem Mechaniker auch aufgefallen sei und auf Kosten des Vorbesitzers ein Neuer eingebaut wurde, eine tolle Nachricht :-)

Wie vereinbart wurde das Ruderlager gewechselt, was allerdings zwei Tage länger gedauert hat als gedacht. Es wurde versehentlich das falsche Lager bestellt, also hieß es warten. Dabei hatten wir uns vorher noch extra beeilt, das Antifouling zu erneuern und den Propeller zu polieren. Aber auf der anderen Seite ist es auch gut zu wissen, das es immer noch Ersatzteile von Beneteau gibt. Bei der Albin Ballad haben wir die die Ruderlager selbst gedreht, bzw. Birtes Vater.
Das alte Ruderlager wird ersetzt
Gerade als die Mechaniker mit dem Ruder fertig waren, ging es auf einmal ziemlich schnell. Der Kranführer klopfte an den Rumpf und teilte uns mit, dass wir jetzt sofort ins Wasser könnten, er hatte uns dazwischen geschoben – eigentlich sollten wir erst am nächsten Tag ins Wasser.
Klar, dass der Wind genau jetzt stark auffrischte und einige Schauerböen durchzogen. Also ab ins Ölzeug und dem Travellift hinterher trotten, der TamTam ins Wasser setzte.
Port Chantereyne
Das erste Mal mit einem neuen Schiff anlegen und dann noch bei viel Wind – super. Es hat aber alles geklappt und ging nicht völlig in die Hose. Das Birte bei ihrem Sprung von Bord ausrutschte und plötzlich auf dem (sehr rutschigen) Steg saß, ist auch niemandem aufgefallen :-)
Nach 10 Tagen an Land, tat es richtig gut endlich im Wasser zu sein. Wir kontrollierten anfangs regelmäßig die Bilge und die Stopfbuchse – aber alles ist bestens.
Auch im Wasser gefällt uns die neue TamTam :-)
Die Schiffsbewegungen sind wieder normal, man muss nicht zigmal am Tag die wackelige Leiter hoch- oder runterklettern und man wird nicht ab 20 Uhr eingesperrt, wie auf dem Werftgelände.
Nun lassen wir es erstmal etwas ruhiger angehen, erledigen dies und das und genießen die Zeit. Es regnet immer noch viel und für die nächsten Tage ist weiterhin viel Wind angesagt. Sobald das Wetter besser wird, gibt es noch einiges an Deck und am Rigg zu erledigen und ein paar Pakete sind auf dem Weg zu uns.

 

 

Immer mal wieder haben wir mit dem Gedanken gespielt uns zu vergrößern. Aber unsere Albin Ballad wirklich verkaufen, jetzt wo alles so umgebaut ist wie es unseren Vorstellungen entspricht und wir so viel erlebt haben? Damit konnten wir uns nicht so recht anfreunden. Aber gerade jetzt im Winter war der Wunsch nach mehr Platz doch recht groß, fast zwei Jahre leben wir an Bord. Im Alltag macht sich zu zweit der fehlende Stauraum und die eingeschränkte Stehhöhe immer wieder bemerkbar.
Das kennt sicher jeder Bootseigner: man schaut rein aus Interesse immer mal wieder, was der Bootsmarkt so Interessantes hergibt und stellt fest, dass gute Boote aber immer noch gutes Geld kosten. Unsere Vorstellungen waren recht klar: so um die 36 bis 38 Fuß, durchgängige Stehhöhe auch für Nico, mindestens eine Achterkabine, Nasszelle achtern und eine große Pantry. Darüber hinaus gute und sichere Segeleigenschaften, gefällige Linien und nicht zuviel Tiefgang.
Die Klassiker aus den 70er Jahren bieten innen leider nicht den gewünschten Komfort, die modernen Leichtbauten gefallen uns einfach nicht. Stahlschiffe kommen für uns nicht in Frage, Aluminiumschiffe gefallen uns ziemlich gut, weniger aber die dafür aufgerufenen Preise.
So schauten wir verstärkt nach französischen Schiffen aus den 80ern, die unserem Idealschiff ziemlich nahe kommen. Durch die genauen Vorstellungen, beschränkte sich unsere Schiffssuche auf die verschiedenen Typen der Werften Beneteau, Jeanneau und Gibsea.

Nach viel Recherche beschlossen wir Ende Januar den Bulli zu packen und uns mal zwei interessante Schiffe in Cherbourg anzuschauen, um eine bessere Vorstellung zu bekommen. Wir erwarteten allerdings nicht sehr viel, denn wir wussten, französische Schiffe sind manchmal recht heruntergekommen und ungepflegt.
1200 Kilometer später war es dann auf einmal 20 Grad wärmer, der Bulli parkte unter Palmen und das Wasser schimmerte klar in dem typischen grün des englischen Kanals. Leider regnete es in Strömen (nicht umsonst gibt es den Film “Die Regenschirme von Cherbourg”).

Unser Bulli unter Palmen...im Regen :-)
Das erste Schiff, eine Gibsea106, kam nicht in Frage. Es entsprach nicht unseren Vorstellungen und der schlechte Zustand erklärte auch den niedrig angesetzten Preis.
Das zweite Schiff, eine Beneteau First 375, wollten wir am nächsten Tag anschauen, entdeckten es aber zufällig am Steg und konnten uns schon abends im Dunkeln einen ersten Eindruck machen. Wir waren sofort recht angetan. Es sah sehr gepflegt aus, hatte keine großen Macken im Gelcoat und auch die Ausrüstung war besser als erwartet.

Die Beneteau First 375 Admirals - was für ein Name :-)
Am nächsten Tag hatten wir den Termin mit dem Makler, der zu unserem Erstaunen sehr gutes Englisch sprach und sogar etwas Deutsch konnte. Nach einer kurzen Einweisung, verschwand er und ließ uns alleine in Ruhe alles genau inspizieren. Gerade waren wir fertig und hatten das halbe Schiff auf den Kopf gestellt, da erschien er wieder zusammen mit dem Eigner. So blieben keine Fragen offen und wir konnten alle Unterlagen zusammen durchgehen. In den letzten Jahren wurde so ziemlich alles überholt und einiges an interessanter Ausrüstung angeschafft. Der Eigner wollte eigentlich ein paar Jahre um die Welt segeln und hat alles dafür umbauen und ausrüsten lassen. Leider ist er nun erkrankt und muss das Segeln aufgeben.

Später kam auch noch der Mechaniker dazu, der das Boot die letzten Jahre gewartet und repariert hatte. In gutem Englisch erklärte er uns auch noch viele Einzelheiten und wir waren erstmal mit allen Infos versorgt. Nachmittags sollte das Boot dann aus dem Wasser, damit wir das Unterwasserschiff inspizieren können, aber kurz vorher gab der Travellift den Geist auf. Es wurde viel telefoniert und organisiert, aber der Travellift war erstmal nicht mehr einsatzbereit. Es wurde noch mehr telefoniert und noch mehr organisiert. Dann die gute Nachricht, der Makler hatte es irgendwie geschafft, dass die Marinewerft in der Nähe eine Ausnahme machte. Am nächsten Tag konnten wir den dortigen Travellift benutzen, der normalerweise für riesige Kriegsschiffe genutzt wurde. Dementsprechend klein sah dann auch die Beneteau aus, als sie in den Gurten hing – trotz ihrer 11,60m.

Im Riesenkran

Das Unterwasserschiff sah sehr gut aus, was wohl daran liegt, dass es vor zwei Jahren bis auf das Gelcoat abgezogen- und neu aufgebaut wurde. Allerdings stellten wir fest, dass das Ruderlager deutlich zuviel Spiel hat. Der Eigner (wieder dabei), war verwundert, da er es zwei Jahre vorher durch einen Freund hatte ersetzen lassen. Der Mechaniker (auch wieder dabei) lachte nur und meinte: “Tja, hättest du es mal von mir machen lassen!” :-) Mit ihm zusammen überführten wir die Beneteau die paar Meilen zurück zur Marina und konnten so auch noch eine kleine Probefahrt machen.

Nun hatten wir eine Menge Infos und Eindrücke zu verarbeiten und gingen erstmal zusammen mit Christoph, der zufällig auch gerade dort im Hafen lag, essen.

Die neue TamTam

Insgesamt waren wir sehr angetan. Der Zustand und die Ausrüstung hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen. Uns war vorher nicht klar, wie robust und massiv die First 375 gebaut ist, was aber auch ihr vergleichsweise hohes Gewicht erklärt.
Kritikpunkte haben wir wenig gefunden. Neben dem Ruderlager müssen die Lager der Rollanlage ersetzt werden und leider ist ein Rollgroßsegel verbaut, was sich aber rückrüsten lässt. Da das Großsegel eh ziemlich alt ist und in absehbarer Zeit ersetzt werden sollte, kann man das in einem Arbeitsgang machen. Innen befinden sich zwar neue, aber nicht sonderlich schöne Lederpolster, eine Mikrowelle verunstaltet die Arbeitsplatte der Pantry und den großen Fernseher am Hauptschott brauchen wir auch nicht wirklich. Aber das sind keine wirklichen Kritikpunkte. Der Motor ist noch der erste, macht aber einen guten Eindruck. Er wurde regelmäßig gewartet und hat gerade neue Einpritzdüsen und Motorlager bekommen.

Zurück in Bremen überlegten wir viel hin und her. Sollen wir wirklich ein neues Schiff kaufen, ohne die Ballad verkauft zu haben? Die finanzielle Belastung ist (neben der Anschaffung) mit der Versicherung und dem Liegeplatz für zwei Schiffe nicht ganz ohne.
Wir haben aber den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Der Makler vermittelte geschickt zwischen uns und dem Eigner. Wir handelten einen fairen Preis für alle Seiten aus, die Rollanlage lässt der Vorbesitzer reparieren, das Ruderlager geben wir in Auftrag.
Das Beste: das Boot kann bewacht, sicher und kostenlos am Steg des Maklers liegen, ein Kostenfaktor weniger für uns.

Wie im letzten Blogbeitrag schon geschrieben, haben wir die alte TamTam mittlerweile verkauft und wissen sie in guten Händen. Mitte März fahren wir dann nach Cherbourg und holen die neue TamTam ab.
Der Name bleibt, denn er ist Programm :-)

Noch ein paar Daten zu der neuen TamTam:

So kurz ist der Kiel gar nicht. Dafür ist er nach vorne und hinten länger :-)

Beneteau First 375 “Admirals”
Ehemaliges Admirals Cup Design von 1985, das später in Serie ging, nur mit anderem Decksaufbau. Zwei Achterkabinen, insgesamt acht Schlafplätze

Baujahr: 1989 – Länge: 11,60m – Breite: 3,80m – Tiefgang: 1,50m (Kurzkiel) – Verdrängung: ca. 7,5t

Ausrüstung:
Geräteträger mit 140 Watt Solarmodul, Silentwindgenerator mit Hybridladeregler, 4x Batterien, Radar, AIS – Sender und Empfänger, Kartenplotter, Radar, Bugstrahlruder, Plastimo Offshore Rettungsinsel für 6 Personen, Ankerwinde, NKE Log/Lot/Windanzeige, NKE Autopilot mit Linearantrieb, Gasherd, Warmwasserboiler, uvm…

 

 

TamTam in Camaret

… so gut wie, auf jeden Fall. Der Vertrag ist unterschrieben und die Anzahlung auf unserem Konto.
Die Resonanz war ziemlich groß und wir hatten viel zu tun, die vielen Interessenten unter einen Hut zu bekommen. Einerseits sind wir traurig, sie abzugeben, andererseits aber auch froh, dass sie in gute Hände kommt und weiterhin viel erleben wird. Die Übergabe ist für Mitte März geplant.

Und dann? Viele Anfragen kamen schon wie es bei uns weitergeht, da wir dann ja kein Zuhause mehr haben. Entgegen einiger Vermutungen: nein, wir ziehen nicht wieder an Land. Eine neue TamTam wartet schon auf uns in Frankreich am englischen Kanal.

Die neue TamTam :-)
Direkt nach der Übergabe werden wir also den Bulli voll packen und uns auf den Weg in die Normandie machen. Dort werden wir die neue TamTam übernehmen und einziehen. Bevor wir sie nach Deutschland überführen, müssen aber noch ein paar Dinge erledigt werden. Mehr dazu bald hier :-)