… schon wieder. Dieses Jahr fahren wir genau dieselbe Strecke wie letztes Jahr, aber was soll man machen uns gefällt es hier einfach gut :-)

Aber der Reihe nach. Wir verließen Ouistreham mit der ersten Schleusung des Tages und hatten dadurch nur etwa zwei Stunden lang den Strom mit uns. Dann ging es langsam weiter, da wir bis zu drei Knoten Gegenstrom hatten. Die Schleuse gab eben den Zeitplan vor. Es wehte kein Wind und so legten wir die gesamte Strecke bis Fecamp unter Motor zurück und holten uns einen ordentlichen Sonnenbrand, trotz Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50.
Die Reede vor Le Havre
Nachdem wir die Reede vor Le Havre durchquert hatten, kam die Alabasterküste mit ihren weissen Felsen in Sicht.
Die nächsten 50 Meilen würde es kein anderes Bild geben. Immer wieder gab es kleine Dörfer, die in den Senken der Steilküste entstanden sind und die von der Aussenwelt komplett ausgeschlossen zu sein scheinen.
Die Alabasterküste...
In Fecamp blieben wir nur für eine Nacht, es stand ein ungemütlicher Schwell im Hafen und die Stege quietschten erbärmlich. Die sanitären Anlagen waren noch schlechter als im Jahr davor – unglaublich dreckig und marode. Also nutzten wir die Gelegenheit und probierten das erste Mal unsere Dusche an Bord aus. Leider haben wir sie noch nicht am Warmwasserboiler angeschlossen, das kalte Wasser tat nach dem heissen Tag auf See aber ziemlich gut und sorgte für angenehme Abkühlung.
Das für uns wichtige W-Lan war komplett ausgefallen. Dazu kam, das der Hafen von einem feierlustigen englischen Segelclub in Beschlag genommen wurde und es dementsprechend laut war. Wieder einmal stellten wir fest, dass sich der Humor von betrunkenen und nüchternen Menschen grundsätzlich unterscheidet ;-)

In aller Frühe machten wir uns am nächsten Morgen auf dem Weg nach Dieppe. Wieder kein Wind, also motorten wir (diesmal mit dem Strom) mit über neun Knoten die schöne Küste entlang. Sonnenbrand inklusive.
Auf nach Dieppe
Dieppe empfing uns so schön wie immer. Kaum ist man durch die Einfahrt zwischen den weissen Felsen gefahren, legt man im Statdthafen an. Im Hafenbüro konnte man sich noch an uns erinnern, der Name TamTam bleibt vielen Franzosen im Ohr. Zwar gab es Schwierigkeiten, unsere neue Bootsgröße im Computersystem nach oben zu korrigieren, aber nach etwa 30 Minuten war auch das geschafft.

Abends saßen wir gemütlich im Cockpit und ließen den Tag ausklingen. Wir sahen im Wasser eine Taube schwimmen und wunderten uns – so etwas haben wir noch nie gesehen. Wir überlegten ob das ein normales Verhalten ist und ob sie evtl. verletzt sei? Da kam plötzlich eine sehr große Möwe im Sturzflug angeflogen, schnappte die Taube am Hals und schüttelte sie lange, dass die Federn flogen und irgendwann das Genick gebrochen war. Dann flog sie mit der Taube im Schnabel auf den nächsten Steg, zerhackte sie und verschlang sie genüsslich. Wir waren total baff! Wir wissen ja, dass Möwen manchmal Spatzen verschlingen, aber ganze Tauben? Noch lange überlegten wir, ob wir das gerade wirklich gesehen hatten. Die Besatzung vom Nachbarboot guckte genauso erstaunt wie wir…

Die Innenstadt von Dieppe
Da ein kleines Tief mit viel Wind durchzog blieben wir ein paar Tage und genossen die Zeit in unserer Lieblingsstadt an der Alabasterküste. Ein Großeinkauf war mal wieder fällig, der Wochenmarkt wurde genutzt um frisches Obst und Gemüse ein großen Mengen zu besorgen.
Eines Abends legten innerhalb von etwa 30 Minuten genau 19 Motoryachten aus Holland um uns herum an – alle jenseits der 50 Fuß Marke. Das war es dann für uns mit der schönen Aussicht und der Besinnlichkeit. Die Boote wurden anschließend stundenlang bis in den späten Abend gewaschen, poliert und herausgeputzt, als ob es kein Morgen mehr gäbe.
Glücklicherweise gab es am nächsten Morgen ein gutes Wetterfenster für unsere Weiterfahrt nach Boulogne sur Mer. Zwar hatten wir die ganze Zeit Gegenstrom, aber in dieser Gegend ist er nicht mehr so stark.
Kabbeliges Wasser an der Hafeneinfahrt
Noch in der Hafeneinfahrt sahen wir draussen die konfuse See. Überall Schaumkämme, chaotisch laufende Wellen und deutlich mehr Wind als erwartet (im geschützten Hafen war davon nichts zu spüren). Endlich konnten wir unsere neue TamTam mal unter echten Segelbedingungen testen. Wir hatten halben Wind und entschlossen uns, mal auszuprobieren wie sie sich nur unter Genua verhält. Gegen den Strom kratzten wir sofort an der 7 Knoten Grenze. TamTam lag super auf dem Ruder, also behielten wir die Segelkonstellation bei. Wir sind hin und weg von den tollen Segeleigenschaften, auch unter diesen Bedingen. Der Autopilot mit Linearantrieb steuerte perfekt die Wellen aus und so konnten wir es uns dick im Ölzeug eingepackt im Cockpit gemütlich machen. Zwar kam nur selten Gischt über, aber es war erstaunlich kalt.
Schön aber kalt
Wir erreichten Boulogne sur Mer zwei Stunden früher als erwartet. Im windgesschützen Hafen war es dann wieder so warm, dass wir noch in der Hafeneinfahrt das Ölzeug auszogen und schlussendlich barfuß, in T-shirt und kurzen Hosen anlegten. Im Moment ist gerade nur etwa die Hälfte des Hafens zu nutzen. Ein großes Zollschiff hatte vor ein paar Tagen Probleme mit dem Getriebe und konnte nicht mehr aufstoppen. Also krachte es in die Steganlage und zerriss sie in mehrere Stücke. Das Ergebnis ist beeindruckend und mit Flatterband abgesperrt. Verletzt wurde glücklicherweise niemand dabei.
Die zerstörten Anleger in Boulogne sur Mer

Endlich war es soweit. TamTam war startklar, die Wettervorhersage hat Sonne und schönen Westwind vorhergesagt, also ging es in aller Frühe los mit dem Ziel Fecamp. Noch kurz zum Tanksteg, was bei Niedrigwasser recht umständlich war, da die Zapfsäulen an Land (also in 6 Meter höhe stehen). Hat aber alles geklappt :-)
Von der Zapfsäule nach unten fotografiert
Schon im Vorhafen merkten wir, dass die Wettervorhersage überhaupt nicht passte. Der Wind kam direkt aus ost – also genau aus der Richtung in die wir wollten. Es zog Nebel auf und fing auch noch an zu regnen. Kurz überlegten wir, umzukehren und die Abfahrt zu verschieben. Wir entschlossen uns, erstmal ein Stück weiter rauszufahren und sehen ob sich das Wetter bessert.
Nebel zieht auf, Cherbourg verschwindet im Dunst
Dem war leider nicht so, aber irgendwann war es dann auch zu spät, um wieder zurück nach Cherbourg zu fahren. Die Strömung schob uns schon mit über 5 Knoten. Gegen den Wind im Nebel 80 Meilen nach Fecamp zu kreuzen kam nicht in Frage, wir haben es ja nicht eilig. Also hieß das nächste Ziel St.Vaast, eine Strecke von ca. 30 Meilen und auch im Nebel gut machbar. Gerade angekommen, löste sich der Nebel auf aber der Ostwind blieb. Der Hafen ist nur bei Hochwasser zu erreichen und wird bei Ebbe durch ein Tor verschlossen. Dadurch bleibt immer genug Wasser im Hafenbecken, so dass man nicht trocken fällt. Eigentlich eine tolle Sache, nur leider öffnen sich die Tore zu Zeiten, an denen draussen Gegenstrom herrscht, wenn man Richtung Osten will. Das Segeln im englischen Kanal ist halt manchmal etwas umständlich :-)
Die Hafenausfahrt von St. Vaast bei Ebbe
St. Vaast liegt in der Normandie. Jedes Jahr wird anfang Juni die Befreiung im zweiten Weltkrieg gefeiert und die Orte sind mit den Flaggen der Alliierten geschmückt. Immer wieder fahren alte Willys Jeeps, Armeemotorräder mit Beiwagen, aber auch Schwimmwagen und Wehrmachtskübel durch die Straßen, wie zu Zeiten des Dday. Gerade Nico als Oldtimer Schrauber konnte sich nicht satt sehen. Als Zeichen der Freundschaft sind viele deutsche Flaggen gesetzt und es herrscht eine ausgelassene Stimmung.

Ein alter Willys Jeep von 1943
Um möglichst wenig Gegenstrom bei der Weiterfahrt zu haben, suchten wir uns einen Tag mit Niptide aus und segelten bei schönstem Wetter am Omaha- und Utahbeach entlang nach Ouistreham. Das erste mal konnten wir die Segeleigenschaften unserer neuen TamTam über eine längere Strecke testen. Wir wurden wieder nicht enttäuscht: bei 3-4 Bft. halben Wind machten wir häufig über 6 Knoten Fahrt über Grund, trotz Gegenstrom. Wir sind zufrieden, gerade wenn man das Alter und den Zustand der Segel bedenkt :-)
Tolles Segelwetter. TamTam läuft super!
Leider mussten wir feststellen, dass unsere Verbraucherbatterien ihr beste Zeiten hinter sich haben. Nach zwei Stunden unter Autopilot und mit den üblichen Verbrauchern (Ipad, AIS, VHF, usw…) hatten sie nur noch eine Spannung von 9,8 Volt. Selbst der Windgenerator und das Solarmodul konnten da nichts mehr ausrichten. Zum Glück gibt es in Ouistreham gut sortierte Yachtausrüster und wir konnten das Batterieproblem lösen.
Die neue Verbraucherbatterie
Neben der Batterie mussten wir auch die komplette Verkabelung und die Anschlüsse sowie die Halterung der Batterien tauschen, da nichts mehr gepasst hat. Zum Glück liegen wir dieses Jahr nicht wieder aussen im Päckchen, sonst wäre die Batterieschlepperei ziemlich aufwändig geworden, zumal wir für den Bau der neuen Halterung zum Sägen oft auf den Steg mussten.
Da die Schleusen in Ouistreham gerade überarbeitet werden dazu auch noch ein dickes Tief mit ordentlich Wind durchgezogen ist, sind wir froh die Zeit gut genutzt zu haben. Ein Großeinkauf war auch mal wieder fällig, der Carrefour ist allerdings mal wieder am Stadtrand und dementsprechend weit mussten wir laufen. Nach dem Motto: “Hast du Zeit, ich kenne eine Abkürzung” schafften wir es, die etwa drei Kilometer lange Strecke auf sieben Kilometer auszudehnen. Unterwegs haben wir uns geschworen, dass die nächste größere Anschaffung ordentliche Bordfahrräder sind. Platz haben wir jetzt ja genug :-)

Die letzten Wochen ist viel passiert. Zum einen haben wir viel am Boot gemacht, aber es kam auch ein großer Auftrag rein, der unsere Zeit unter Deck am Rechner sehr in Anspruch nahm (die Bordkasse füllt sich leider nicht von selbst). Anschließend waren wir für ein paar Tage in Bremen und haben auf dem Rückweg am Tag der Wahl ein bißchen Zeit in Paris verbracht – sehr beeindruckend.
Eifelturm

Nun ist aber alles soweit, das wir die Tage aufbrechen können. Das neue (gebrauchte) Großsegel ist angekommen und passt perfekt – der Zustand ist besser als erwartet.
Die Rollanlage ist von der Reparatur bei Profurl zurück. Ein Tausch der Lager war nicht mehr möglich, da der Vorbesitzer sie zu oft mit den verschlissenen Lagern benutzt hat. Also wurde das komplette untere Gehäuse inkl. aller Lager, Dichtungsringen und Lagersitzen gegen Neuteile getauscht.
Die neue Profurl Rollanlage
Der Toppwirbel war ebenfalls nicht mehr zu retten und wurde auch erneuert. Zu unserem Glück war die Reparatur der Rollanlage Bestandteil des Vertrags und die Rechnung geht an den Vorbesitzer.

Endlich war es dann soweit und wir konnten einen Probeschlag bei tollem Segelwetter machen.
Tolles Segelwetter

Wir sind von den Segeleigenschaften und dem gesamten Handling sehr angetan. Die neue TamTam segelt sich agiler und und direkter als gedacht. Unter Segeln merkt man ihr die acht Tonnen Gesamtgewicht nicht an und die Radsteuerung reagiert direkt und ist sehr leichtgängig. Im Gegensatz zur Albin Ballad, segelt sie gerade auf raumen Kursen sehr angenehm und für unsere Verhältnisse ziemlich fix :-)
Die "Rade du Cherbourg"

Zwar hat die Genua ihre besten Tage hinter sich, aber wir hoffen, dass sie uns noch gut nach Hause bringt. Im Winter geben wir dann eine Neue in Auftrag.

Immer wieder wurden wir gefragt, wann wir denn wieder bei Marinetraffic zu sehen sind. Zwar war beim Kauf ein AIS Transponder vorhanden, leider konnten wir aber nicht unsere neue MMSI einprogrammieren, dafür hätte das Gerät zu Garmin geschickt werden müssen. Da wir uns später eh ein anderes System mit WLAN für das Ipad zulegen wollten, war der Plan nur im Empfangsmodus zurück nach Deutschland zu Segeln. Dort wollte wir uns dann in Ruhe das neue System einbauen. Nach viel hin und her, haben aber doch schon jetzt Nägel mit Köpfen gemacht und ein neuen AIS Transponder mit WLAN gekauft und eingebaut. In ein paar Tagen sollten wir auch bei Marinetraffic zu sehen sein, das dauert leider immer etwas.
Das neue Amec AIS mit WIFI Modul

Jetzt warten wir auf passendes Wetter, dann geht es wieder los zurück nach Bremen, mittlerweile das dritte Mal durch den englischen Kanal. Zwar ist es sehr verlockend, gleich wieder Richtung Süden abzubiegen, aber diesen Winter verbringen wir wieder an Bord in Bremen und bringen die neue TamTam auf Vordermann. Es gibt noch einige offene Baustellen :-)